Ein kaltes Berlin, ein verregneter Sonntag – was gibt es da Schöneres, als sich in einem trockenen Zelt unter anhaltendem, leisem Geprassel etwas vorlesen zu lassen. Zumal wenn es sich um Tschick handelt, die schönste Irrfahrt zweier Halbstarker seit  Huckleberry Finns Flussfahrt.
Zum   Abschluss des 15. Literaturfests am Kollwitzplatz (im Rahmen der Literaturwoche Prenzlauer Berg) und des großartigen Programms – vorher hatten bereits Marion Brasch, Tanja Dückers und viele andere ihre Romane –vorgestellt, las Timmo Niesner aus den Abenteuern von Tschick und seinem zunächst unfreiwilligen Marzahner Kumpel Maik. Obwohl er kurzfristig für Hanno Koffler eingesprungen war, der in der Hörbuchversion begeistert, traf er pointensicher und authentisch die jugendlichen Dialoge über die Tücken des Schulalltags, Ferien-Fernweh und Außenseiter-Sehnsucht. 

Dabei konnten weder die kühlen Temperaturen noch der Ausfall des Mikrofons der im wahrsten Sinne „lauschigen“ Stimmung etwas anhaben; das Publikum rückte zusammen, Timmo Niesner legte einfach selbst eine Lauststärke zu und nach 45 Minuten wollter keiner das Ende der Lesung so richtig wahrhaben.
Oder um eine Berliner Mutti im Gespräch mit ihrem Sohn nach Abebben des Applauses zu zitieren:
»Ick gloobe, den Rest krichste zum Jeburtstag!«