Unsere Kollegin Margot Kaiser (Rechte & Lizenzen) hat von der Fahrradtour quer durch Polen nicht nur tellergroße Mückenstiche und herzliche Erinnerungen an die polnische Gastfreundschaft mitgebracht. Sie hat auch einen See entdeckt, der so und nicht anders Modell gestanden haben könnte für eine Szene in Die Akte Vaterland.

In Gereon Raths viertem Fall – wir befinden uns nun kurz vor den Reichstagswahlen 1932 – geht es um die Leiche eines Schnapslieferanten, die im Aufzug des größten Berliner Fress- und Amüsiertempels Haus Vaterland gefunden wird. Während Raths Freundin Charly in der Hauptstadt auf Verbrecherfang gehen darf, muss der Kommissar selbst in die Masuren reisen. Dort bekommt er es mit wortkargen Ostpreußen, bedrohlichen SA-Horden und den wilden, schönen Sumpflandschaften der Masuren zu tun.

Zum Hörbuch

»Der alte Adamek stieg sofort aus dem Wagen aus, stapfte los und folgte der Dorfstraße, um dann in einen Feldweg abzubiegen. Er legte einen schnellen Schritt an den Tag, der es ihnen nicht leicht machte mitzuhalten, und das nicht nur, weil sie seinen Vorsprung einholen mussten. Doch nach wenigen Kilometern endete der Weg abrupt auf einer Lichtung, und fortan liefen sie mitten durch den Wald, über grasbewachsenen sandigen Boden, der einem unter den Füßen wegrieselte und nur an wenigen Stellen vom Moos zusammengehalten wurde. Auf einmal ging es bergab, und hinter den Baumstämmen glitzerte es hell. Der kleine See. Rath musste an Radlewskis Zeilen denken. Das war das Wasser, in dem Anna von Mathée sterben musste.
»Wir müssen weiter, Herr Kommissar!« Kowalski hatte das gesagt. Der Kriminalassistent war Adamek, der weiter am Seeufer entlanggegangen war, schon gefolgt.
»Kleinen Moment noch«, sagte Rath, »ich muss mir nur eben etwas anschauen.«
Er hatte einen Baumstamm bemerkt oder vielmehr einen dicken Ast, der beinahe waagerecht auf den See hinausragte und von der Sonne beschienen wurde. In der Rinde war ein Herz zu sehen, wulstig und vernarbt, als habe jemand es vor hundert Jahren hier eingeritzt.«

Das Hörbuch wird von David Nathan gelesen, einer echt Berliner Flitzpiepe und seit Goldstein die Stammstimme der 30er-Jahre-Krimis um den leichtlebigen Kommissar Rath.