Was mit einem unschuldigen Abzählreim auf dem Cover beginnt, wird in Uve Teschners Lesung zu einem perfiden Psychothriller, nach dem man seine Partnerwahl noch einmal ordentlich überdenken sollte. Die Opfer – immer Paare – wachen orientierungslos auf, gefangen in einem Raum, niemand hört ihre Schreie. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit, nur eine Waffe und die Botschaft des Entführers: Entweder sterben beiden einen langsamen, qualvollen Tod – oder einer bringt den anderen um und ist frei.

Das hört sich wie ein Abklatsch der erfolgreichen Horror-Reihe Saw an, mögen manche unken. Das ist um einiges intelligenter und kommt ganz ohne billige Splatter-Effekte aus, unken wir zurück. Eene Meene braucht keine abgetrennten Gliedmaßen und immer perversere Foltermethoden, um seine Hörer zu faszinieren. BBC-Drehbuchautor und Krimi-Spezialist M. J. Arlidge schafft schier unerträgliche Spannung, indem er zeigt, wie unterschiedlich sich Menschen im Angesicht einer existentiellen Bedrohung verhalten. Die gekidnappten Paare sind sehr verschieden: ein junges, gebildetes Liebespärchen, zwei alte Geschäftsfreunde, Mutter und Tochter… und jedes Mal fragt sich der Hörer erneut: Was macht die Wahlmöglichkeit, die ihnen der Killer lässt, mit ihrer Beziehung? Wird sich einer opfern oder kämpfen beide ums Überleben? Wie verändern sich Körper und Wahrnehmung im Lauf der Gefangenschaft? Was kommt unter der porösen Decke der Zivilisation zum Vorschein – Mensch oder Monster?

Eene Meene. Einer lebt. Einer stirbt. by Argon Verlag

Alle Figuren bekommen ihre eigene starke Geschichte und damit eine meisterhafte Tiefe und Komplexität, die für Thriller der härteren Gangart nicht selbstverständlich ist und die den Hörer umso mehr fesseln. Vor allem die Kommissarin, die den Entführungen ein Ende bereiten soll, wird man so schnell nicht vergessen: Helen Grace ist tough, witzig, schroff und auf unheimliche Weise diszipliniert.  Nicht unerheblich für Spannung sorgt dadurch auch die stetige Frage: Wird dieser Fall ihre eiskalte Fassade zum Einsturz bringen?
Dem Thema der tödlichen Entscheidung trägt der Buchverlag Rechnung, in dem er das Taschenbuch mit zwei verschiedenfarbigen Covern veröffentlicht. Der Leser kann so zwischen rot oder grün wählen. Da das bei den vergleichsweise kleinen Auflagenzahlen im Hörbuch-Bereich nicht möglich war, mussten wir eine andere raffinierte Lösung finden. Bei uns bekommt man mit einem Hörbuch gleich beide Cover! Die Multibox steckt in einem Pappschuber, der von beiden Seiten mit je einer Cover-Variante bedruckt ist. So kann man das gute Stück – fast wie Wendebettwäsche – je nach Tageslaune mit der roten oder grünen Seite ins repräsentative Hörbuchregal stellen.

Covershow Eene meene
… aber bei allem nicht vergessen: » Entkommen ist keine Option.«