Ein Mord wie beim Ötzi, ein verdächtiger Skilift-Unternehmer, wortkarge Einheimische. Und das alles vor atemberaubender Südtiroler Alpenkulisse mit einer Prise italienischen Flairs. Was Südtirol kriminalistisch reizvoll macht und welche Gegensätze dort aufeinander treffen, erzählt uns Lenz Koppelstätter, Autor von Der Tote am Gletscher im Interview.

Was macht Südtirol für Sie kriminalistisch und literarisch reizvoll?
Südtirol – meine Heimat – ist einer der schönsten Flecken Erde, den ich kenne. Und wo es so schön ist, da ist der Schrecken doppelt schrecklich. Deshalb war es reizvoll, den Krimi dort spielen zu lassen.

In Der Tote am Gletscher spielt auch der Ötzi eine wichtige Rolle. Wie kamen Sie auf die Idee, ihn in Ihren Krimi einzubauen?
Ötzi hat mich seit seiner Entdeckung fasziniert. Damals bin ich in Bozen noch zur Schule gegangen – nur einen Steinwurf entfernt vom Ötzi-Museum. Es war aufregend zu beobachten, wie Wissenschaftler über die Jahre hinweg immer mehr über diesen Mann aus dem Eis herausgefunden haben. Wir wissen heute zum Beispiel, dass er kurz vor seinem Tod Steinbockfleisch gegessen hat und an Karies litt – der Arme! Schließlich die Sensation – Ötzi war ermordet worden! Und trotzdem: Tausende ungelöste Geheimnisse und Mythen ranken noch um ihn.

Commissario Grauner und Ispettore Saltapepe trennen Welten. Wie  haben Sie zu den beiden gefunden? Gab es Vorbilder?
Wie es mit Grauner und Saltapepe ist, so ist es auch mit Südtirol: Da treffen zwei Kulturen aufeinander – Sprachen, Kulinarisches, die Mentalität. Das macht dieses Stück Heimat ja so spannend und liebenswert. Und deshalb war für mich klar, dass auch das Ermittler-Duo diese Unterschiedlichkeiten darstellen muss. Der eine wird aus Neapel in die Bergwelt katapultiert, der andere lebt seit seiner Kindheit auf einem Bauernhof. Mal mögen sich die beiden, mal streiten sie. Reale Vorbilder gab es nicht, aber ein guter Freund, ein Mareschiallo der Südtiroler Carabinieri, hat mich in das Polizeiwesen eingeweiht – und mich hinter die Kulissen schauen lassen.

Sie sind gebürtiger Südtiroler, leben zurzeit aber im platten Berlin. Was macht ein Südtiroler im Exil, wenn das Heimweh zu groß wird?
Die Winter in Berlin sind natürlich eine Zumutung für einen wie mich. Ohne schneebedeckte Berge! Ohne Skifahren! Das macht doch keinen Sinn. Einzige Möglichkeit: Den Urlaub in der Heimat verbringen. Südtirol-Krimis schreiben – um zumindest in Gedanken dort zu weilen. Und: Bald wieder hinziehen.

 

 

Zum Autor
Lenz Koppelstätter ist in Bozen geboren und in Südtirol aufgewachsen. Nach dem Studium der Politik- und Sozialwissenschaften absolvierte er die Deutsche Journalistenschule in München. Er hat u.a. für den Tagesspiegel, Zeit Online und zitty sowie für verschiedene Verlage gearbeitet. Der Tote am Gletscher ist sein erster Roman. Kurz nach unserem Interview hat er übrigens eine zumindest mittelfristige kulinarische Kur für sein Heimweh entdeckt.  Zur Autorenseite von Lenz Koppelstätter.