»Einer der Pfauen war verrückt geworden.« Plötzlich bringt ihn alles Blaue in Rage und er sorgt für allgemeine Turbulenzen auf dem charmant-heruntergekommenen Landsitz von Lord und Lady McIntosh in den schottischen Highlands. Christoph Maria Herbst ist ganz sicher die Idealbesetzung für diesen herrlich unterhaltsamen Roman von Isabel Bogdan und berichtet im Interview von seiner Begeisterung für Der Pfau und den Herausforderungen beim Lesen.

Christoph, Du kannst Dir die Stoffe, die Du liest, aussuchen und bist als wählerisch bekannt: Was gab für Dich den Ausschlag, den Pfau lesen zu wollen?

Ich wollte immer schon mal Geburtshelfer sein und immerhin handelt es sich bei diesem Buch um einen Erstling. Auf Anhieb konnte ich mich weder seinem Charme noch seinem Witz entziehen. Beim Lesen hatte ich gleich Bilder im Kopf, die von Downton Abbey bis Ein Fisch namens Wanda reichten, und dabei ist Der Pfau doch eine ganz originäre Geschichte, die komplett auf Effekthaschereien oder Anbiederungen verzichtet. Sie ist entschleunigt, ohne langsam zu sein, pointiert, ohne zum Schenkelklopfen einzuladen. »Digital trifft auf Analog« könnte man auch sagen, und am Ende will man genau dort Urlaub machen.

Wie war die Arbeit im Studio? Wie hast Du die Charaktere für Dich erschlossen? Stellst Du Dir Personen bildlich vor?

Die größte Herausforderung bei diesem Hörbuch war für mich sicher, mich selbst ganz stark zurückzunehmen, um der Erzählweise gerecht zu werden. Ich komme ja beispielsweise ganz stark vom Dialog, wo ich den Figuren dann gerne Erkennungsmerkmale verpasse, Eigenarten. In Der Pfau gibt es nicht eine einzige direkte Rede. Alles wird indirekt erzählt, was auf der einen Seite diese britische Distinguiertheit verstärkt und einen zunächst ein wenig auf Abstand hält, mir auf der anderen Seite aber auch ganz neue Möglichkeiten eröffnete, nämlich nur durch kleinere Tempowechsel oder dezente Modulationen diese lebendige Welt zu kreieren. Mein Regisseur Oliver Versch und ich hatten jedenfalls eine Menge Spaß daran, uns ganz in den Dienst dieses Textes zu stellen. Es gibt Bücher, die muss man, vorsichtig ausgedrückt, durch die Interpretation und Umsetzung noch ein wenig anheben. Das war beim Pfau nicht nur nicht nötig, sondern wäre sogar falsch gewesen. Isabel Bogdan beschreibt die Akteure so facettenreich und liebevoll, dass man mitten unter ihnen ist, mit ihnen friert, isst und sich wundert.

Wem würdest Du dieses Hörbuch empfehlen?

Allen meinen alten Fans und den vielen neuen von Isabel.

Sprecherfoto: © Christian Hartmann, www.christianhartmann.com