Im Sitz neben uns schnieft es. Das Unglaubliche passiert! Wir werden Zeugen, wie bei einer Pressevorführung selbst der sonst so abgebrühte Filmkritiker einige Tränchen verdrücken muss, als die rührende Geschichte des grummelig-liebenswerten Kümmerers und Pedanten Ove ihren Lauf nimmt. Regisseur und Drehbuchautor Hannes Holm hat den Bestseller von Fredrik Backman als wunderbar schwarzhumorige und herzergreifende Tragikomödie verfilmt.

»Sich das Leben zu nehmen, ist gar nicht so einfach.«

Seit seine Frau Sonja gestorben ist und er vorzeitig entlassen wurde, hat Ove keine Lust mehr zu leben. Er sieht in seinem Dasein nun einfach keinen Sinn mehr. Ove will sich das Leben nehmen. Er hat alles penibel vorbereitet – den Telefonvertrag gekündigt, die Wohnung aufgeräumt, Haken und Seil ordnungsgemäß befestigt – als das Chaos und die Unfähigkeit der anderen seine tadellose Planung durchkreuzen. Denn die neuen Nachbarn sind noch nicht einmal eingezogen, als sie mit ihrem Auto schon Oves Briefkasten zu Fall bringen – noch dazu in einer Fahrverbotszone! Da kann Ove einfach nicht anders, er muss schimpfend hinausstürmen und das Auto schnell selbst parken, um Schlimmeres zu verhindern.

Ja, das ist Ove (großartig griesgrämig: Rolf Lassgård, Kommissar Kurt Wallander in den Mankell-Verfilmungen) – ein grantiger älterer Mann, der sich als Ordnungshüter einer Reihenhaussiedlung versteht, der retten will, was zu retten ist, bevor alles den Bach runter geht. Einer, der jeden Morgen seine Kontrollrunde dreht, die korrekte Mülltrennung überprüft und Falschparker notiert. Aber hinter der bärbeißigen Fassade verbirgt sich ein großes, butterweiches Herz. Denn Ove ist auch sehr hilfsbereit, ein Anpacker und Kümmerer. Und manchmal muss man zu seinem Lebensglück eben gezwungen werden. Diese Rolle übernimmt die neue Nachbarin Parvaneh (Bahar Pars), sein optimistisches Gegenstück, die Ove wie selbstverständlich als Kinderbetreuung, Klempner und Fahrlehrer einspannt und so den Auftakt gibt für eine ganz und gar unwahrscheinliche Freundschaft.

Sonja, Saab und Spanienreise

In Rückblenden wird erzählt, wie Ove (als junger Mann: Filip Berg) durch Enttäuschungen und Niederlagen zu einem solchen misanthropischen Spießer wurde. In leuchtenden Farben (Kamera: Göran Hallberg) sehen wir ihn mit seinem Vater im Saab durch die schwedische Landschaft brausen, sind dabei, wenn Sonja (Ida Engvoll) sein Leben zum Strahlen bringt und begleiten die beiden auf jene schicksalhafte Spanienreise, die ihr Leben für immer verändern soll …

In Schweden startete der Film schon im letzten Jahr in den Kinos – als erfolgreichste Eigenproduktion aller Zeiten. Oves Werkzeugkiste besiegte dort Kylo Rens Lichtschwert und Ein Mann namens Ove führte noch vor Star Wars die Kinocharts an. Und auch wir verlassen das Kino ganz beglückt nach diesem wunderbaren Film über Vertrauen, Nächstenliebe und Endlichkeit.

Hörbuchsprecher Heikko Deutschmann über Ove