Eine Hörerrezension von Susanne Gornig

Überaus verwirrend und beklemmend beginnt der Morgen für Christine Lucas: ein fremder Mann, ein fremdes Bett, ein fremdes Haus… und dann der Blick in den Spiegel! Bin ich das? Wer bin ich?
Seit vielen Jahren schon erwacht Christine Lucas so – Tag für Tag aufs Neue. Ohne zu wissen wer sie ist, wo sie ist und was sie in den letzten Stunden, Tagen, Monaten und Jahren gemacht hat.
Nur dem Mann neben ihr – er sagt er ist ihr Ehemann Ben und dem Mann, der sich Dr. Nash nennt, scheint sie vertrauen zu können. Christine Lucas leidet an einer der schwersten Formen der Amnesie. Doch dann beginnt sie eine neue Therapie: ein selbst geführtes Tagebuch soll helfen ihre Erinnerungen immer wieder abrufen zu können.
Anfangs eher noch dramatisch doch allmählich an Spannung gewinnend, kann der Hörer anhand von Christines Tagebucheinträgen verfolgen wie sie mehr und mehr in den Strudel aus ihren wiedererlangten Erinnerungen und den Behauptungen ihres Mannes gerät. Wem kann sie wirklich trauen? Was ist tatsächlich passiert und was ist Einbildung?
Als geübter Thriller/Krimi-Hörer kann man sich nach einer gewissen Zeit natürlich denken, worauf die Geschichte hinzielt, aber dennoch ist es spannend mitzuverfolgen, ob man mit seiner Vermutung Recht behält. Neue Erinnerungen sorgen für kleine Wendungen in der Geschichte und führen schließlich zu einem ereignisreichem Finale.
Der Erzählstil der Ich-Perspektive und die Tagebucheinträge haben mir sehr gut gefallen. Durch mehrmalige Wiederholungen tauchen zwischendurch ein paar Längen im Erzählfluss auf. Manch einen wird das mehr stören aber für mich hat es das gesamte Hörbuch „echter“ wirken lassen. Es tut der Geschichte keinen Abbruch und  erweckt einen realistischen Anschein denn schließlich leidet die Hauptperson an Amnesie und erlebt dieses Drama jeden Tag neu bzw. muss sich alle aufgeschriebenen Erinnerungen immer wieder ins Gedächtnis rufen. Das Ende ist im Gegensatz zur restlichen Geschichte etwas rasanter  aber gerade hier hätten mir einige Details mehr noch besser gefallen.
Andrea Sawatzki – vielen bekannt als Tatort-Kommissarin Charlotte Sänger – versteht es wieder einmal vortrefflich ihre Stimme einzusetzen. Wie bereits in anderen Thriller-Lesungen wie zum Beispiel Vater unser von Jilliane Hoffman oder Gottlos von Karin Slaughter beschert sie den Hörern eine wahrliche Gänsehaut.
Sehr authentisch und (mit)fühlbar spürt man die Verunsicherung und Ängste aber auch Wut der Hauptperson Christine Lucas. Wirklich verstörende und beklemmende Situationen haben mir ein paar Mal doch ein sehr mulmiges Gefühl beschert.
Ich.darf.nicht.aufhören – das war mein Hauptgedanke beim Genuss dieses Hörbuchs!