Nicole Engeln ist eine erfahrene Sprecherin, deren Stimme in Fernsehen und Werbung verführt und im Hörbuch unerbittlich fesselt. Wir freuen uns sehr, dass sie vor kurzem zum ersten Mal auch für uns im Studio war, um den ungewöhnlichen Thriller Fünf von Ursula Poznanski einzulesen. Anlässlich des Erscheinens hat uns Nicole Engeln einen kleinen Einblick in ihre Auseinandersetzung mit dem Stoff gegeben.

1. Beatrice Kaspary ist eine ungewöhnliche Kommissarin – denn sie ist eine ganz gewöhnliche Frau mit vielen Stärken und Schwächen. Was hat Ihnen an ihr besonders gefallen oder im Gegenteil vielleicht geärgert?
 »Eine ganz gewöhnliche Frau« … genau das ist das Besondere. Mittlerweile ist es ja fast üblich, dass ermittelnde Kommissare, ob männlich oder weiblich, irgendetwas »Krankes« haben müssen, was natürlich eine Figur auch interessant macht, wie z.B ein Drogenproblem, eine traumatische Störung etc. B. Kaspary ist so gesehen fast normal. Daher glaube ich, fällt es den meisten Lesern leichter sich mit dieser Figur zu identifizieren und sie sind ihr unter Umständen näher.

2. Fünf ist sofort nach Erscheinen auf Platz 30 der Spiegel-Bestsellerliste eingestiegen. Was, glauben Sie, fasziniert die Menschen so an diesem Roman und am Geocaching?
Dass er plausibel ist und trotzdem – oder gerade deswegen – spannend. Bei einem Krimi dieser Thematik verhält es sich wie bei einem guten Rätsel. Mit wachem Verstand und klarer Logik kommt man schon verdammt weit. Dann noch eine Spur kriminalistischer Instinkt, etwas Besessenheit und Abenteuerlust….und schon, vor allem auch Dank der Geo-Daten, wandelt man auf des Killers Wegen.
Geocaching scheint mir deswegen so attraktiv, weil es eine gute »Mischung« beinhaltet, die vor allem in der umfassenderen Aktivität liegt, die einem dieses Hobby abverlangt:Rätselaufgaben lösen mit Köpfchen und Bewegung…in diesem Fall allerdings einwenig blutig  ;-).

3a. Haben Sie selbst schon Erfahrungen mit Geocaching abgesehen von der Lesung? Oder als Kind mal eine Schnitzeljagd gemacht? Oder sind Sie als Studio-Sprecherin ohnehin eher der Indoor-Typ?
 Ich bin keineswegs ein Indoor-Typ! Allerdings: wenn ich mich draußen aufhalte, vor allem in der Natur, versuche ich jede Form von technischen Dingen von mir fernzuhalten – selbst geographische Daten. Jedoch ist mein Schwager ein sehr leidenschaftlicher Geocacher, der gerade jetzt vor kurzem zu einem feierlichen Anlaß mit ein paar spannenden Koordinaten überrascht wurde ;-).
Trotzdem rätsele ich gerne, manchmal tut es ein guter Krimi, manchmal ein anspruchsvolles Sudoku.

3b. Sie haben schon in vielen Genres Titel gelesen, darunter viele Biographien berühmter Frauen. Unterscheidet sich das Einlesen von Thrillern oder Krimis sehr im Gegensatz zu Sachbüchern? Was sind die jeweiligen Herausforderungen?
 Zunächst lohnte es sich bei beidem gleichermaßen gut vorbereitet zu sein. Bei einem Sachbuch besteht mein Auftrag meines Erachtens darin, Informationen möglichst wertfrei an das Ohr zu bringen. Trotzdem heißt das nicht, dass es unspannend vorgetragen sein muß. Man hat ja vielleicht doch irgendwie eine Beziehung zu der Person, um die es geht (z.B bei einer Biographie).
Bei Romanen oder Thrillern hingegen darf ich sehr wohl, soweit mir die Vorlage den Raum lässt, mitfärben, Figuren »erfinden«, prägen … Das macht schon sehr viel Spaß.