»Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt …« behauptet ein altes Volkslied. Und wenn der Bauer sich dabei noch unsere Neuerscheinungen auf die Ohren pappt, pflügt sich der Acker wie im Flug – behaupten wir!
So richtig aufwühlend sind jedenfalls die zwei neuen Spannungshörbücher von Petra Hammesfahr und Bernard Minier.Während in Miniers düsteren Pyrenäen-Tälern erst ein massakriertes Pferd und dann auch einige Menschen von den Bergwänden hängen, geht es in Die Schuldlosen mit Sprecherinnenlegende Franziska Pigulla um den subtilen Terror provinzieller Engstirnigkeit.
Ebenso spannend wie humorig führt Bullen und Schweine von Josef Kelnberger die niederbayerische Provinz vor. Philipp Moog, die deutsche Synchronstimme von Kultfigur Barney Stinson aus How I met your mother, irrt darin als Kommissar Wolf durch seine fremd gewordene Heimat und bekommt es neben einem Toten im Schweinesarg mit fliegenden Maßkrügen und der unheimlichen Psyche des Bayern an und für sich zu tun.

Zu Susanne Fröhlichs neuem Hörbuch lässt sich sagen: trotz des Titels ist der Lack noch lange nicht ab! In Lackschaden erzählt die Autorin witziger, bissiger und pointierter denn je von den Selbst- und Enttäuschungen eines exemplarischen Frauenlebens in Familie und Menopause. Auch Moritz Netenjakob und sein alter ego Daniel müssen in Der Boss die eine oder andere Illusion aufgeben: zum Beispiel, dass man bei einer Hochzeit alle Erwartungen der 374 eigens angereisten türkischen Verwandten erfüllt, ohne gleichzeitig die Bedürfnisse der spärlichen – und ohnehin die Institution Ehe kritisch sehenden – deutschen Freunde zu vernachlässigen. Dramaturgisch so perfekt ausgefeilt geht Moritz Netenjakob den Kulturenclash an, dass der Bauer wohl ab und zu den Pflug beiseite schieben muss, um nicht unter der Mehrfachbelastung von Lach-, Arm- und Beinmuskeln zusammenzubrechen.

Mit Cecelia Aherns Kurzgeschichten in Solange du mich siehst und den beiden Sprechern Luise Helm und Heikko Deutschmann wird es zunächst besinnlicher. Die von den dreien entfaltete Magie kippt jedoch langsam ins Unheimliche und könnte den Hörern am Ende den ein oder anderen Schauer über den Rücken jagen.

Zu guter Letzt, bevor er nach einem langen Arbeitstag den Pflug in die Scheune schiebt, darf der Bauer noch mal erleichtert über die Abschaffung der Lehnsherrschaft seufzen: denn dann hat er von Ex-Knappe und Guttenbergs Ghost Norbert Hoppe  erfahren, wie das damals so lief mit dem Freiherrn zu Guttenberg, der Bundeswehrreform und der Katharina Wagner, mit dem Doktortitel aus Bayreuth und dem Techno-Häschen Stephanie in Berlin. Doch mit diesem satirischen Ausblick ist der Frühling noch lange nicht vorbei, wir und der Bauer dürfen uns schon auf den April freuen, wenn die Spätsaat des Argon-Jahres aufgeht.

 P.S. Das ganze Volkslied vom Bauer und dem März gibt es übrigens bis zum 1.4.2012 als kostenlosen mp3-Download bei unseren Kollegen von der Zeit: http://www.zeit.de/kultur/musik/2011-02/volkslieder-folge-27