So klingt Tigermilch, der mitreißende Debütroman von Stefanie de Velasco, für uns gelesen von Inka Löwendorf.  Mit unwiderstehlichem Charme und Witz erzählt sie die wilde Geschichte von zwei Freundinnen und einem Sommer, der alles verändern wird. Wir haben sie im Studio getroffen und mit ihr über die Kraft der Freundschaft, unvergessliche Abenteuer und die Sehnsucht endlich erwachsen zu werden gesprochen.

1. Tigermilch ist ein Hörbuch über zwei Mädchen, die sich bei ihren Streifzügen durch die hitzeflirrenden Straßen ihrer Stadt ihre eigene Welt erschaffen. Was ist das Besondere an der Freundschaft zwischen Nini und Jameelah?

Ihre Herkunft wird in diesem Sommer für die beiden Mädchen zum entscheidenden Wendepunkt in ihrer Freundschaft. Bis dahin hatte sie keine große Rolle gespielt, da sie doch beide in der gleichen Gegend groß geworden sind und zusammen gespielt haben, dieselbe Schule besuchen und gemeinsame Freunde haben. Innerhalb eines Sommers aber zeigt sich bei aller Gemeinsamkeit ein großer Unterschied: Nini hat einen deutschen Pass und Jameelah nicht. Ihr Mut und ihre Abenteuerlust geraten ins Wanken. Jede der beiden kämpft auf ihre Art, aber immer füreinander. Es ist eine liebevolle Geschichte der Zeit zwischen Weisheitszahn-OP und erster großer Liebe, zwischen zwei Mädchen, die sich sehr ähneln und doch unterschiedlicher nicht sein könnten.

2. Um welches Abenteuer beneiden Sie die Clique? Was hätten Sie – rückblickend – auch unbedingt mit 15 machen sollen?

Für einige Experimente der beiden war ich nie mutig genug, meine Mutter hatte mir z.B. verboten zu fremden Männern ins Auto zu steigen und daran habe ich mich bis heute gehalten. Andere Abenteuer wie im Freibad habe ich genauso erleben dürfen. Es ist schon ein Geschenk in einer Stadt wie Berlin seine Pubertät erleben zu dürfen, nachts im Grunewald beschwipst baden zu gehen um dann gemeinsam durch die laue Sommerluft mit dem Rad nach Hause zu gondeln. Allerdings habe ich dabei nie Tigermilch getrunken – das sollte ich demnächst mal nachholen!

3. War Ihnen die Welt von Nini und Jameelah fremd oder vertraut? Wie haben Sie sich den beiden angenähert?

Da ich im Heimathafen Neukölln arbeite und viel mit Kindern und Jugendlichen aus den verschiedensten Länder zu tun habe, kenne ich ihre Sprache ziemlich gut. Jameelah war mir daher schnell vertraut. Bei Nini konnte ich mich an einer Jugendfreundin von mir orientieren. Die hieß Jennifer, hatte gleich mehrere Barbies und ständig gab es Süßigkeiten bei ihr zu Hause. Bei uns gab es eher Salzstangen und Bitterschokolade zum Naschen, dies allerdings auch in einem “Schnukkelschrank“ genau wie bei Nini zu Hause.

4. Für wen ist dieses Hörbuch? Wem würden Sie es empfehlen?

Geschichten sind ja immer für alle da. Für die, die in einer ähnlichen Situation stecken und für die, die es längst vergessen haben oder nie kannten. Das Tolle ist, dass man sich dank Tigermilch wieder an seine eigene Schulzeit erinnert fühlt, dieses irre Herzklopfen, wenn eine bestimmte Person den Raum betritt, diese überfordernde Unbeholfenheit mit sich selbst und seinen Gefühlen umzugehen, diese bodenlose Wut und Trauer darüber. Aber auch die Lust jener Tage, seine gesamte Zeit in der Clique zu verbringen. Ein Nachmittag allein wäre undenkbar gewesen. Mehrmals täglich telefonieren war ein Muss. Meine Freundschaften aus der Schulzeit sind mir alle erhalten geblieben. Sie sind die Stütze meines Lebens. Das ist ein großes Glück.

Den Charme des Hörbuchs würde ich so zusammenfassen: Es zeigt, wie wichtig Freundschaft ist, die Liebe füreinander der Respekt und die Rücksicht, das zeigen der eigenen Schwäche und Angst. Es zeigt aber auch in welcher Ungerechtigkeit wir leben, wie schnell eine Freundschaft zerbrechen kann. Sei es durch Familienfehden oder Gesetzesparagraphen.

 

 

Studiofoto: (c) speaklow