Jahresendfristen, Geschenkejagd, Betriebsfeier, Tannenbaumkauf, Großputz… die Vorweihnachtszeit ist oft alles andere als besinnlich. Wir hetzen von einem Termin zum nächsten, von einer Aufgabe zur anderen, ohne uns auf die eigentliche Botschaft des Festes konzentrieren zu können. Doch wie viel vom Stress und der Hektik, der wir täglich ausgesetzt sind, ist selbstgemacht? Wie wir unsere eigenen Zeit-Stress-Fallen herausfinden und zum Meister unserer Zeit werden können, erzählen Lothar Seiwert und Sprecher Christian Baumann anhand einer kleinen mystischen Drachengeschichte und anderer konfuzianischer Weisheiten. Keynote-Sprecher und Autor Lothar Seiwert hat uns Rede und Antwort zu seinem eigenen Zeitmanagement gestanden.

1. Lieber Herr Seiwert, Sie beschäftigen sich seit 30 Jahren mit dem Thema Zeitmanagement. Ihr neues Hörbuch Lass los und Du bist Meister deiner Zeit widmet sich intensiv den über 1.500 Jahre alten Lehren von Konfuzius und überträgt sie in unsere hektische Zeit. Wie kamen Sie in Berührung mit dem chinesischen Gelehrten?
Ich war schon immer ein Fan alter chinesischer Lebensweisheiten, zumal ich im chinesischen Sternzeichen des Drachen geboren bin. Man glaubt es kaum, aber früher hatte auch ich einige Zeitprobleme. Konfuzius sagt dazu: »Ein Arzt, der nie selber krank war, ist kein guter Arzt.«
Das konfuzianische Wissen half den Menschen vor 2.500 Jahren dabei, ihre Probleme zu bewältigen und es kann auch uns Menschen des 21. Jahrhunderts dabei unterstützen. Die Weisheit des Konfuzius ist scharf­sinnig, kraftvoll, einfach und zeitlos. Es spielt keine Rolle, in welcher Lebenssituation man sich befindet oder wie schnell sich heute unsere Welt dreht. Jede Zeit konfrontiert uns mit neuen, ganz spezifischen Proble­men und Herausforderungen. Die Zeit­-Weisheiten des großen chine­sischen Gelehrten eignen sich für jeden Menschen und lassen sich immer und überall anwenden. Konfuzius sagt: »Wenn der Mensch nicht über das nachdenkt, was in ferner Zukunft liegt, wird er das schon in naher Zukunft bereuen.«

2. Der Untertitel des Hörbuchs ist Mit Konfuzius entschleunigen und Lebensqualität gewinnen. Ist die Welt zu schnell für uns geworden oder wir für sie?
Wir sind mit Vollgas auf der Überholspur und finden die Bremse nicht. Das Kultivieren von Tempo und Termindruck hat uns an die Grenze dessen gebracht, was Menschen verkraften können. Depressionen, Burnout, Erschöpfung – die Stresskrankheiten haben explosionsartig zugenommen. Wir müssen unser Leben ändern, sonst werden wir zwangsweise aus dem Rennen genommen, um einen längeren Boxenstopp einzulegen!

3. Gibt es in unserer hektischen Zeit eigentlich noch Langeweile? Was halten Sie von ihr?
Für mich persönlich gibt es keine Langweile, eher Zeit für Muße. Zunächst gilt es, sich auf die wirklich wichtigen Dinge in seinem beruflichen und privaten Leben zu konzentrieren und die »richtigen« Prioritäten zu setzen, d.h. auch Körper und Gesundheit, soziale Kontakte und Partnerschaften sowie Zeit für Sinn und Selbstverwirklichung nicht zu kurz kommen zu lassen. Klassisch spricht man hier von »Work-Life-Balance«, wobei es für mich diese strikte Trennung zwischen Arbeit und Leben nicht gibt.
Konkret geht es darum, dass man auch Termine mit dem wichtigsten Menschen vereinbart: mit sich selbst. So entstehen z. B. Zeitfenster für Museumsbesuche, Theater- oder Konzertabende, den nächsten Zoobesuch, die Wellness-Oase, die Thai-Massage oder einfach Zeit für sich selbst, etwa für Muße. Diese Zeitfenster gilt es, im Timer, Smartphone oder Kalender zu fixieren und genauso konsequent wie Verabredungen mit anderen einzuhalten. Ohne ein gewisses Maß an Selbstdisziplin funktioniert das aber nicht.

4. Sie sind ein international gefragter Redner und durch Ihre Vortragsreisen schon an vielen Orten der Welt gewesen. Wo gehen die Menschen Ihrer Meinung nach am vorbildlichsten mit ihrer Zeit um?
Das hängt davon ab, was man unter »vorbildlich« versteht: Versteht man unter vorbildlich etwa effizient, pünktlich, ordentlich, so habe ich diese Einstellung sehr oft in Nord- und Westeuropa, Asien und Nordamerika angetroffen: Time is Money. Denke ich bei „vorbildlich“ aber an „Zeit zum Leben“, bin ich gedanklich in Ost- und Südeuropa, Südamerika oder Afrika.
Beispielsweise denke ich sehr gerne an einen Kongress in Südafrika zurück, bei dem ich als „Opening Keynote-Speaker“ mitwirken durfte: Pünktlichkeit und Perfektion waren hier nicht so wichtig, aber Stimmung und Wohlfühlatmosphäre. Es ging verspätet los, dafür aber mit dem Hit „Waka-Waka“ von Shakira, Tanzen, Partylaune, und ein paar Teilnehmer hatten sogar ihre Trommeln mitgebracht, die sogleich zum Einsatz kamen …

5. Für was hätten Sie persönlich gerne mehr Zeit?
Mehr Zeit, um gute Hörbücher zu genießen …