Sie ist eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts: Dora, das jüdische Mädchen mit der »petite hystérie«, die es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden. Für Katharina Adler (links) war die widerständige Patientin lange nicht mehr als eine Familienanekdote: ihre Urgroßmutter Ida Bauer, die als der »Fall Dora« bekannt wurde. Von ihrem Ringen um ein selbstbestimmtes Leben handelt der packende Roman Ida, phänomenal gelesen von Burgschauspielerin Petra Morzé (rechts).

»Ida ging, das Suppentablett in Händen, auf Zehenspitzen zum Krankenzimmer.«

Mal Opfer, mal Heldin

Von der Nachwelt wurde Ida Bauer mal zum Opfer, mal zur Heldin stilisiert. »Nach und nach wuchs in mir der Wunsch, dieses Bild von ihr zu ergänzen, ihm aber auch etwas entgegenzusetzen. Ich wollte eine Frau zeigen, die man nicht als lebenslängliche Hysterikerin abtun oder pauschal als Heldin instrumentalisieren kann. Eine Frau mit vielen Stärken und auch einigen Schwächen, die trotz aller Widrigkeiten bis zuletzt um ein selbstbestimmtes Leben ringt,« sagt Autorin Katharina Adler, die für das Manuskript ihres Debütromans, Ida, das Literaturstipendium des Freistaats Bayern erhielt und 2015 für den Alfred-Döblin-Preis nominiert wurde.

»Diese Reise, die man mit Ida geht, finde ich wirklich großartig.«

Katharina Adler und Petra Morzé trafen sich bei den Aufnahmen in Wien und auch die Sprecherin ist begeistert: »Ida ist ein Roman über eine starke Frau in einer Zeit, in der Frauen nicht stark sein durften. Der Roman ist in einer Sprache geschrieben, die ich außergewöhnlich finde. Und auch die Form des Romans ist äußerst spannend – mit Zeitsprüngen und Verflechtungen von Vergangenheit und Gegenwart. Es sind auch historische Fakten, belegte Briefe und literarische Auszüge verarbeitet. Wie ein Gewebe fügt sich das alles zusammen. Diese Reise, die man mit Ida geht, finde ich wirklich großartig und nachvollziehbar.«

Petra Morzé über Ida