Bewegte, unruhige Zeiten stellen die Menschen vor Herausforderungen, weil nichts mehr ist, wie zuvor und alles Vertraute und Gewohnte verschwindet. Doch gleichzeitig sind diese Zeiten eine Chance auf Neues und Ungewöhnliches, eine Chance für diejenigen mit Mut und Visionen. In Manhattan Beach erzählt Jennifer Egan von genau solch einer Zeit – Amerika in den 30er und 40er Jahren.

Das Land ist noch von der Weltwirtschaftskrise und ihren Folgen gebeutelt, da zieht auch schon der nächste Krieg heran. Die junge Anna erlebt diese Zeit des Umbruchs am eigenen Leib. Seit ihr Vater die Familie verlassen hat, muss sie sich um ihre Mutter und ihre kranke Schwester kümmern. Ihr Bürojob in der großen Schiffswerft ermöglicht ihnen das Durchkommen. Doch als Anna zum ersten Mal die Männer in den Tauchanzügen sieht, die sich für Reparaturen hinunter zu den riesigen Schiffen begeben, weiß sie, was sie werden will: Marinetaucherin. Ein Job, angeblich viel zu gefährlich und schwierig für eine Frau, doch fortan kämpft sie für ihren Traum. 

Anna ist eine faszinierende, eigenwillige Protagonistin, der man nur zu gern auf ihrem Weg durch die Werften und das schillernde, schmutzige, halbseidene New York folgt.
Jennifer Egan schreibt über ihre Heldin: »Ich kann mit ziemlicher Sicherheit behaupten, dass es keine Marinetaucherinnen gab. Aber im Krieg war – und das war ein weiterer interessanter Grund, über eine junge Frau in dieser Zeit zu schreiben – alles möglich. Viele Dinge, die unter normalen Umständen niemals hätten passieren können, waren plötzlich nicht nur möglich, sondern notwendig. Frauen wurden in Berufe gedrängt, von denen man ihnen ihr ganzes bisheriges Leben erzählt hatte, dass sie sie niemals ergreifen könnten. Plötzlich war für eine kurze Zeit alles auf den Kopf gestellt, und das interessierte mich sehr. Und deshalb nahm ich mir das Recht heraus, über eine Frau – und übrigens auch einen Afroamerikaner – als Taucher zu schreiben.«
Nina Kunzendorf leiht Anna und den weiteren Protagonisten dieses Romans ihre klare, eindringliche Stimme und lässt auf ebenso mitreißende wie besonnene Weise eine Zeit auferstehen, in der alles möglich schien.

Ein großes Hörerlebnis für alle, die sich gern in andere Zeiten entführen lassen!