Nicola Tyszkiewicz, die Enkelin des Komikers und Dichters Heinz Erhardt hat eine unglaubliche Entdeckung gemacht: Bislang unveröffentlichte Werke ihres Großvaters. Über 40 Jahre lagen die Notizen als Bündel verschnürt auf dem Dachboden: ungeordnete, vergilbte, eng beschriebene Notenblätter und unveröffentlichte Texte und Lieder aus den 20er- und 30er-Jahren. Sie stammen aus seiner Jugendzeit, als seine Karriere als beliebter Schauspieler, Komiker und Musiker noch nicht abzusehen war.

Eine herrliche Auswahl von bekannten sowie bisher unveröffentlichten Geschichten, Gedichten, Liedern und Interviews von und mit Heinz Erhardt findet man auf dem Hörbuch Seien Sie mal immer komisch, der auch viele Jahre nach seinem Tod noch immer einer der beliebtesten, wenn nicht DER beliebteste Wortkünstler Deutschlands ist. Interpretiert wird diese einzigartige Auswahl an Glanzstücken seines Schaffens von Stars wie Axel Prahl, Wotan Wilke Möhring und Ingrid van Bergen, zusammengestellt und produziert hat sie Nicola Tyszkiewicz. 

Heinz Erhardt war auch ein leidenschaftlicher Musiker. In Zusammenarbeit mit der NDR Bigband und dem Arrangeur Jörg Achim Keller entstand die Musik-CD Seine Musik, die beliebte Lieder und bisher unbekannte Kompositionen aus dem Nachlass Heinz Erhardts zum Klingen bringt. Axel Prahl, Wotan Wilke Möhring, Hannelore Hoger, Max Hopp, Stefan Gwildis, Gustav Peter Wöhler, Tom Gaebel und Ingrid van Bergen haben bekannte sowie bisher unveröffentlichte Erhardt-Lieder eingesungen. Zusammengestellt und produziert hat sie Nicola Tyszkiewicz.

Interview mit Nicola Tyszkiewicz:

© Nicola Tyszkiewicz

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren Opa?

Ich erinnere mich an einen liebevollen, witzigen aber auch sehr fleißigen, akribisch arbeitenden Großvater. Wann immer meine Großeltern zu Hause waren, haben wir sie gesehen und Zeit mit ihnen verbracht. Wenn wir ihm auf Tournee hinterher fuhren war ich immer gerührt, wie sehr sich die Leute über ihn und sein Erscheinen gefreut haben. Wenn er lachte, – und das tat er oft – gingen ALLE Türen auf, besonders die in den Herzen derjenigen, mit denen er gerade sprach. Das hat mich immer fasziniert. Unstet wurde er, wenn er nicht professionell arbeiten konnte, wenn Kollegen ihre Texte nicht konnten oder abgesprochene Termine nicht eingehalten wurden.

Haben Sie einen Lieblingssketch oder ein Lieblingslied?

Kann ich nicht genau sagen, aber vom neuen Album ist es »Am Manzanares«, ein Tango, welchen wir zu einer Ballade gemacht haben. Er hat eigentlich auch einen Text, den habe ich aber weggelassen, weil die Musik viel stärker ist. Bei den Aufnahmen war ich zu Tränen gerührt, auch weil ich mich gefragt habe: Wie schafft man es, so etwas zu schreiben, wie kommt man auf diesen spanischen Fluss, ohne ihn zu kennen? Den Titel hat er 1938 geschrieben, möglicherweise hat er ein Bild vom Manzanares gesehen oder einen Bericht darüber gelesen, denn dort war er nie.

Aktuelle Schaubude HH, Ostern 1963, Mausi 4 Jahre © Nicola Tyszkiewicz

Was war es für ein Gefühl, die unentdeckten Texte und Noten in der Hand zu halten?

Das war sehr aufregend und emotional, denn wenn man so etwas anfasst, um es zum Leben zu erwecken, muss es gut werden, richtig gut! Ich habe mir wirklich jahrelang überlegt, ob überhaupt und wie man diese Entdeckungen den Fans nahebringen könnte. Die Noten sprachen: Du musst das machen, es wäre einfach gemein und ignorant, uns nicht zu vertonen.

Wie kam die Auswahl der Interpreten zustande?

© Nicola Tyszkiewicz

Ich wollte gern authentische, musikalische und vor allem überzeugte Interpreten, die sich auch selbst einbringen. Dann habe ich mir auch gewünscht, jemanden dabei zu haben, der meinen Großvater selbst kannte wie Ingrid van Bergen. Weiter stellte ich mir die Frage, ob die Künstler auch in der Lage wären, live zu performen.

Was ist Ihnen als Produzentin wichtig?

Ich habe einen hohen Qualitätsanspruch, was die Organisation und Umsetzung der Titel betrifft. Für mich gab es nur einen, der diese Musik mit Muße, Geduld und Geschmack arrangieren konnte: Jörg Achim Keller. Er ist ein Großmeister seines Fachs und lustig ist, dass ausnahmslos alle Künstler eigentlich am liebsten noch länger geblieben wären. Wotan wich ihm nicht von der Seite, das war wunderbar zu sehen. Dann natürlich das herausragende Orchester, die NDR Bigband. Die Musiker haben so großartig gespielt, die Stimmungen bei den Aufnahmen war entspannt: An den Produktionssamstagen habe ich immer ein großes Frühstück gemacht. Sie haben es mir – ich in der einen Hand die Noten und in der anderen die Schürze – gedankt.