Von Griesgram bis Gönner, von häuslich bis humorvoll – Väter können so verschieden sein! Hier erzählen wir Ihnen, welche Vaterfiguren uns in unseren letzten Hörbüchern besonders beeindruckt haben und warum.

 

Der Gerechte

Harper Lee: Wer die Nachtigall stört (gelesen von Eva Mattes)
Die Geschwister Jem und Scout, aus deren Perspektive heraus der mittlerweile zum Klassiker gewordene Roman erzählt wird, wachsen im Alabama der 1930er Jahre auf. Jäh bricht die Wirklichkeit in ihre behütete Welt ein, als ihr Vater, der Anwalt Atticus Finch, einen wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen verteidigt. Finch lehrt seine Kinder Verständnis und Toleranz, allen Anfeindungen und Angriffen der  »ehrbaren« weißen Mitbürger zum Trotz. Aber seinen Kindern ist der Anwalt nicht nur moralisches Vorbild. Nachdem seine Frau früh verstorben ist, zieht Atticus sie alleine groß – und das nicht wie seinerzeit noch oft üblich mit körperlichen Strafen und Verboten, sondern vor allem mit viel Liebe, Zugewandheit und gutem Beispiel. Das Book Magazine wählte Atticus Finch auf Platz 7 in der Liste der »100 Best Characters in Fiction since 1900«.

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Der Häusliche

Tanya Stewner: Die Liliane-Susewind-Hörbücher (gelesen von Catherine Stoyan)

Liliane Susewind kann mit Tieren sprechen und begeistert ihre kleinen Hörer dank der vielstimmigen Tierinterpretationen von Catherine Stoyan schon seit vielen Jahren. Während Liliane mit ihrem besten Freund Josajah Abenteuer besteht und ihre Mutter Karriere macht, führt ihr Vater den Haushalt. Ganz selbstverständlich und nebenbei zeigen Tanya Stewners Hörbücher, dass es längst auch Familien gibt, in denen andere als die klassischen Rollenverteilungen funktionieren.

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Der Unerschrockene

Sebastian Fitzek: Der Insasse (gelesen von Simon Jäger)
Sebastian Fitzek ist selbst dreifacher Vater und macht trotzdem immer wieder Eltern und Kinder zu den Protagonisten seiner Psychothriller. Er selbst sagte einmal im Interview: »Wir alle haben oder hatten eine Familie oder hätten gern eine. Die Familie ist der gemeinsame Anker, an dem wir alle irgendwie hängen.« Und damit auch das, dessen Verlust wir am meisten fürchten! Sind Fitzek-Thriller also auch irgendwie eine Angst-Therapie für uns Hörer? Eine der mutigsten Vaterfiguren hat Fitzek jedenfall in Der Insasse erschaffen. Als verdeckter Ermittler lässt sich Till in den Hochsicherheitstrakt einer Psychiatrie einschleusen, um hinter das Verschwinden seines Sohnes zu kommen. Er will dem vermeintlichen Kindermörder so nahe wie möglich kommen und ihn zu einem Geständnis zwingen. Doch bald muss er selbst um sein Leben fürchten.

Übrigens: Ob und welche seiner Bücher der Vater Sebastian Fitzek seinen eigenen Kindern vorliest, können Sie in unserem Interview nachhören.

 

Der »unerhörte« Ratgeber

Fredrik Backman: Alles, was mein kleiner Sohn über die Welt wissen muss (gelesen von Heikko Deutschmann)
Fredrik Backman ist eigentlich als Autor von internationalen Bestsellern wie Ein Mann namens Ove und Britt-Marie war hier bekannt. (Die sehr unterhaltsamen Vaterfiguren in diesen Hörbüchern wären eine eigene Liste wert!) Aber er ist auch begeisterter Vater und hat schon mal vorsorglich alles aufgeschrieben, was er seinem neugeborenen Sohn gerne irgendwann mitgeben würde. Denn das Zeitfenster ist klein und man(n) will gut vorbereitet sein: Kaum sind die lieben Kleinen weit genug im Verständnis, finden sie schon bald väterliche Vorlesungen ziemlich peinlich. Besonders angetan hat es uns Fredrik Backmans Lektion in Sachen Männlichkeit und die Sicht auf seinen eigenen Vater. Aber hören Sie selbst!

 

Der Widerspenstige

Anne Griffin: Ein Leben und eine Nacht (gelesen von Reinhard Kuhnert)
Dieses Hörbuch ist noch mitten in der Produktion und erscheint erst im August – und hat jetzt schon alle Herzen in unserem Verlag gebrochen. Ein irischer Griesgram lässt während eines einsamen Abends an einer Hotelbar sein Leben Revue passieren: seine ärmliche Kindheit, den frühen Tod seines geliebten Bruders, seinen Aufstieg zum Großgrundbesitzer und die 40 Jahre Ehe mit seiner Frau Sadie. In jeder Beschreibung ist die große Liebe zu spüren, die er für sie und ihren gemeinsamen Sohn empfand – und das Bedauern, sie nie wirklich gezeigt zu haben. Ein Blick hinter die Fassade eines arbeitsreichen Lebens, der so manchem bärbeißigen (Groß)Vater besser verstehen lehrt.

 

Der Hoffnungschenkende

Marilynne Robbins: Gilead (gelesen von Otto Mellies)
John Ames hat einen siebenjährigen Sohn. Und stirbt. Auf dem Sterbebett schreibt er ihm einen Brief. Dem Kind will er alles erklären: Die Einsicht, mit der man das eigene Leben auf einen Schlag begreift, den Trost, der in einer einzelnen Berührung liegen kann, und den Ort, der sein Ende beschließt. Dabei entsteht auch das Portrait einer Ahnenreihe von Männern, die in der Prärie des mittleren Westens verwurzelt waren – und doch immer darüber hinaus dachten. Otto Mellies, der große Weise der deutschen Theaterszene, verleiht diesem poetischsten Vermächtnis eine große Eindringlichkeit.

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