»Peter James und ich haben die Schauplätze besucht«
Hans Jürgen Stockerl im Interview zu Und morgen bist du tot
Thriller-Bestsellerautor Peter James lässt Roy Grace in seinem sechsten Fall ermitteln. Hans Jürgen Stockerl, die Stimme der James-Hörbücher, liest den rasanten Krimi um illegalen Organhandel ein. Im Interview zum Erscheinen des Hörbuchs erzählt der beliebte Sprecher, was die Fans im neuen Fall erwartet, und plaudert aus dem Nähkästchen über die Erfolgsgeheimnisse seiner Arbeit vorm Mikro und am Regiepult.
Lieber Herr Stockerl , Sie sind DIE Stimme der Krimis von Peter James und haben viele Hörbücher um Ermittler Roy Grace eingelesen. Was erwartet die Fans in seinem neuen Fall?
Es ist eine etwas andere Roy Grace Story, wobei die Hörer keinesfalls auf actiongeladene Spannung verzichten müssen. Peter James greift ein brandaktuelles Thema auf: Organtransplantation. Die Hoffnung auf ein passendes Spenderorgan und damit auf ein Weiterleben macht viele Patienten und auch deren Angehörige blind: Sie sind bereit, hohe Summen an dubiose Geschäftemacher zu zahlen. Eine Frage drängt sich in Peter James neuestem Thriller immer wieder auf: Wie würde ich in so einer Situation handeln? Ich habe mir zum Beispiel einen Organspenderausweis besorgt.
„Er hält die Hörer in Atem“ schreibt das hörBücher Magazin. Verraten Sie uns Ihren Trick, wie Sie den Spannungsbogen aufrecht erhalten?
Eigentlich kein Trick, sondern intensive Beschäftigung mit der Geschichte und ihren Figuren. Zunächst lese ich Peter James’ Bücher immer im Original. Sehr hilfreich ist auch der Umstand, dass ich die Schauplätze genau kenne. Peter James und ich sind seit mehreren Jahren befreundet und ich hab’ schon einige Sightseeing Touren in Sussex hinter mir. Das Besondere an einer Hörbuchaufnahme ist natürlich die Tatsache, dass eine Person in viele verschiedene Charaktere schlüpfen muss und als Hilfsmittel ‚lediglich’ die Stimme zur Verfügung hat. Man muss sich blitzschnell in einen anderen Menschen hineindenken und das auch für den Zuhörer nachvollziehbar machen. Dabei ist es für mich entscheidend, den Hörer mit meiner Interpretation nicht zu erschlagen. Weniger ist oft mehr. Dann erzähle ich eigentlich nur mehr den Film, der vor meinen Augen abläuft.
Sie arbeiten auch als Hörbuchregisseur und haben zum Beispiel bei Jörg Maurer
Regie geführt. Wie kann man sich denn die Regiearbeit im Studio vorstellen?
So ein Aufnahmetag dauert in der Regel 6 bis 8 Stunden. Als Regisseur konzentriere ich mich einerseits auf die Interpretation: Kommen die Figuren glaubwürdig und direkt rüber? Anderseits ist es äußerst wichtig, sprachliche Unsauberkeiten sofort zu verbessern. Wobei es sehr hilft, auf zwei zusätzliche Ohren eines erfahrenen Toningenieurs vertrauen zu können. Und: Man darf den Interpreten aus lauter Enthusiasmus nicht zuquasseln, er muss die Möglichkeit haben, seinen eigenen Erzählfluss zu finden. Die Dramatik muss steigerungsfähig bleiben, der Hörer darf nicht überrollt werden, die Freiräume seiner Phantasie dürfen nicht eingeengt werden.
Und morgen bist du tot gibt es ab dem 12.08.2010 im Handel.
Foto Stockerl (c) Günter Krusemark





