Zwei zärtliche Erinnerungen zwischen Leben und Imagination

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Auf der hr2-Bestenliste im Dezember stehen zwei Hörbücher, die ihre prominenten AutorInnen in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Während die große Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir einen Roman über ihre innige Jugendfreundschaft mit Elisabeth Lacoin schreibt, erzählt Schauspieler Edgar Selge in seinem Debütroman von einer Kindheit in den 1950er Jahren.

Ein intimer Roman von Simone de Beauvoir – lange vergessen und erstmals veröffentlicht

Hörbuchcover Die Unzertrennlichen

Simone de Beauvoir ist eine der bedeutendsten Philosophinnen und Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Das andere Geschlecht gilt als Hauptwerk der feministischen Theorie. De Beauvoirs nun wieder entdeckter Roman Die Unzertrennlichen dreht sich um die Freundinnen Sylvie und Andrée, die ihr selbst und ihrer besten Jugendfreundin nachempfunden sind. Gemeinsam kämpfen sie gegen den erstickenden Konformismus einer Gesellschaft, in der Küsse vor der Ehe und freie Gedanken für Frauen verboten sind.
Als Simone de Beauvoir das autofiktionale Manuskript 1954 Jean-Paul Sartre zeigte, befand dieser es als zu intim für eine Veröffentlichung. Es blieb unveröffentlicht. Nun hat ihre Adoptivtochter diesen kurzen Roman freigegeben und macht damit einen Urtext des frühen Feminismus zugänglich, mehr noch – eine Liebeserklärung de Beauvoirs an ihre Freundin Elisabeth Lacoin, genannt Zaza, die sich in Andrée spiegelt und die jung verstarb. Zur Hörprobe.

 

Edgar Selges überraschender Debütroman Hast du uns endlich gefunden

Edgar Selge gehört zu den bedeutendsten Charakterdarstellern Deutschlands. 1948 geboren, wuchs er im ostwestfälischen Herford. In seinem literarischen Debüt spürt er nun in einem ganz eigenen Ton voller melancholischem Witz und Musikalität seiner Kindheit nach: Ein bürgerlicher Haushalt, in dem viel Musik gemacht wird. Der Vater ist Gefängnisdirektor. Der Krieg ist noch nicht lange her, und die Eltern versuchen, durch Hingabe an klassische Musik und Literatur das nachzuholen, was sie ihre verlorenen Jahre nennen. Doch überall spürt der Junge Risse. Gebannt verfolgt er die politischen Auseinandersetzungen, die seine älteren Brüder mit Vater und Mutter am Esstisch führen. Aber er bleibt Zuschauer. Immer häufiger flüchtet er sich in die Welt der Phantasie. Dieses Kind erzählt uns sein Leben und entdeckt dabei den eigenen Blick auf die Welt. Zur Hörprobe.