Josephine Hochbruck und Julian Horeyseck über »Real Americans« von Rachel Khong
Am 12. Februar 2026 erscheint bei uns das Hörbuch »Real Americans« von Rachel Khong, ein großer amerikanischer Roman darüber, was uns zu denen macht, die wir sind und der dieses Jahr für die Aktion »Deutschland liest ein Buch« ausgewählt wurde. Dem Hörbuch haben Sabine Arnhold, Josephine Hochbruck und Julian Horeyseck ihre Stimmen geliehen. Die beiden letzten haben wir kurz zum Roman und zur Erfahrung im Hörbuchstudio befragt.
Liebe Josephine, Lily, der du deine Stimme leihst, erlebt im Laufe des Romans viel emotional Aufwühlendes. Welche Szene war für dich als Sprecherin der intensivste oder schwierigste Moment zum Aufnehmen?
Josephine Hochbruck: Da ich keine der spannenden Wendungen des Buches (und davon gibt es einige) vorweg nehmen möchte, habe ich mich für diese Szene entschieden: Den Moment, in dem Lily sich daran zurück erinnert, wie sie als Kind das Labor ihrer Mutter May besuchen durfte. Mays Enttäuschung, als sie realisiert, dass Lily nicht ihre Begeisterung für ihren wissenschaftlichen Beruf teilt und Lilys Erkenntnis, dass und wie sehr May deshalb von ihr enttäuscht ist – beides fasst Rachel Khong so präzise und klar in Worte, dass es richtig wehtut.
Was bedeutet der Titel in Bezug auf Lily und ihren Kampf um Identität und Zugehörigkeit in den USA?
JH: Wenn ich diese Frage umfassend beantworten würde, müsste ich das gesamte Buch zusammenfassen, deshalb nur dieser Versuch einer kurzen einführenden Antwort: Lilys Eltern, May und Charles Chen, emigrieren von China in die USA, und erziehen ihre Tochter, die in New York geboren wird, amerikanisch: So sprechen sie beispielsweise nur Englisch mit Lily und bringen ihr kein Mandarin bei. Mit dem Älterwerden vermisst Lily es immer mehr, keinen Bezug zur chinesischen Kultur zu haben und erfährt aufgrund ihres Aussehens durch andere »Real Americans« Rassismus. Kurz vor dem Ende von Lilys Erzählpart, als sie zum ersten Mal nach Peking reist, zitiert ein Charakter quasi den subtil ironischen Titel des Buches und nennt Lily »eine echte Amerikanerin«. Wie Lily damit umgeht und wer das zu ihr sagt (und wieso diese Szene auch eine mögliche Antwort auf die erste Interview-Frage hätte sein können), erfahrt ihr im Hörbuch.
Wir haben gehört, dass dir das Schreiben von Rachel Khong sehr gut gefällt. Was schätzt du besonders daran und wem würdest du das Hörbuch empfehlen?
JH: An Rachel Khongs Schreibstil und Tobias Schnettlers Übersetzung bewundere ich besonders, dass jede der drei Perspektiven, Lily, ihr Sohn und ihre Mutter, anders klingt. Im Hörbuch setzt sich das natürlich durch Sabines, Julians und meine Stimme noch stärker voneinander ab – aber auch beim stillen Lesen wird klar: Das sind drei Menschen, die sehr unterschiedlich denken und erzählen und deshalb hat jeder der drei Teile einen ganz eigenen Sprachfluss und Rhythmus. Dieses Buch empfehle ich allen, die Lust auf eine spannende und einfühlsame Geschichte haben, die in unserer global-politischen Lage relevante Themen anspricht und mehrere Genres geschickt vereint. Ihr findet in »Real Americans« unter anderem ein Mehrgenerationendrama, Beziehungs- und Liebesgeschichten, einen Ausschnitt aus der Geschichte Chinas sowie eine Prise Science Fiction und magischen Realismus. Ich wünsche euch ein großartiges Hörerlebnis!
Danke, liebe Josephine! Lieber Julian, in »Real Americans« schlüpfst du in die Rolle von Nick, der als »all-American boy« beschrieben wird und der sich jedoch nach seiner chinesischen Herkunft sehnt, die er kaum versteht. Wie hast du versucht, seine Unsicherheit und die Suche nach Identität in der Stimme zu vermitteln?
Julian Horeyseck: Für mich war es tatsächlich etwas, das mir eher leichtfällt. Unsicherheit, Zweifel und dieses Suchen nach dem eigenen Platz wirken auf mich greifbarer als Figuren, die alles über sich wissen und völlig gefestigt sind. Zumindest fühlt es sich so an, weil diese Seiten näher an mir selbst und meiner eigenen Persönlichkeit liegen. Ich habe versucht, das in der Stimme spürbar zu machen, ohne es zu stark zu betonen: eher zurückgenommen, tastend, manchmal mit kleinen Brüchen. So entsteht hoffentlich der Eindruck von jemandem, der nach Antworten sucht, statt sie schon zu haben.
Nick wird im Laufe seiner Geschichte vom Teenager zum jungen Mann, der zur Maier Foundation in San Francisco wechselt. Welche stimmlichen Techniken oder Nuancen hast du verwendet, um die Reifung von Nick während des zweiten Teils des Romans darzustellen?
JH: Ich hoffe, dass man eine Reifung hören kann, aber ich habe dafür keine bewussten Stellschrauben auf »reif« gedreht. Es ist nichts, was ich technisch erzwingen wollte. Im besten Fall passiert das eher über den Inhalt selbst: durch das, was Nick erlebt, denkt und sagt. Das färbt dann automatisch auf die Stimme ab und verändert sie ein Stück weit, ohne dass ich es aktiv planen oder markieren muss.
Du hast für uns auch Hörbücher für junge Erwachsene eingesprochen. Bereitet man sich auf die Aufnahmen der Erwachsenentitel anders vor?
JH: In der Vorbereitung gibt es eigentlich gar keinen großen Unterschied. Interessanterweise verändert sich aber die Aufnahmesituation selbst. Ein Kollege vom Radio hat mir mal den Tipp gegeben, sich die Zuhörer:innen konkret vorzustellen. Das macht tatsächlich etwas aus – vor allem, wenn ich weiß, dass das Publikum jünger ist. Vielleicht bin ich dann ein bisschen freier im Gestalten, etwas spielerischer, ohne dass ich das bewusst plane.
Vielen Dank, lieber Julian!
Real Americans
Ein großer amerikanischer Roman darüber, was uns zu denen macht, die wir sind
Der große Bestseller aus den USA! Ein Sommer in New York, der alles verändert. Ein Sohn auf der Suche nach seiner Herkunft. Und die große Frage: Was macht uns zu dem, was wir sind?
New York City, Silvester 1999. Lily Chen ist 22, Tochter chinesischer Einwanderer und unbezahlte Praktikantin in einem hippen Medienunternehmen. Als sie Matthew trifft – charmant, privilegiert, Erbe eines Pharmaimperiums –, verliebt sie sich. Zwei Welten prallen aufeinander. Und doch scheint alles möglich.
21 Jahre später lebt Lilys Sohn Nick mit ihr auf einer abgelegenen Insel. Er spürt: Etwas fehlt. Als er nach seinem Vater sucht, stößt er auf Geheimnisse, die alles verändern – nicht nur für ihn.
- Verlag: Argon Digital
- Übersetzt von: Tobias Schnettler
- Erscheinungstermin: 12.02.2026
- ISBN: 978-3-7324-8771-4
- Sprecher:innen: Josephine HochbruckJulian HoreyseckSabine Arnhold
Kuratiert von der argon-Presseabteilung. Stand Februar 2026