nachgefragt bei Don Pablo Mulemba, dem Autor von »Hundeheimat«
Don Pablo Mulemba hat ein persönliches Buch geschrieben – und es als Hörbuch selbst eingelesen. »Hundeheimat« erscheint am 13.08.2026 und erzählt nicht nur eine außergewöhnliche migrantische Familiengeschichte, sondern auch die Geschichte des wiedervereinigten Deutschlands. Wie war es für ihn, sich mit dem eigenen Text im Studio auseinanderzusetzen? An wen hat er gedacht, als er das Buch geschrieben hat? Das alles verrät er uns in einem Kurzinterview.
Lieber Don Pablo, in »Hundeheimat« erzählst du vom Aufwachsen in der brandenburgischen Provinz und dem Gefühl, nie so richtig dazuzugehören. Wie ist es jetzt für dich, deine persönliche Geschichte in Buchform mit der breiten Leserschaft zu teilen?
Don Pablo Mulemba: Ich empfinde es als ein großes Privileg, einen Teil dazu beitragen zu können, afrikanisch-ostdeutsche Geschichte sichtbarer und erfahrbarer machen zu können. Gleichzeitig sehe ich darin eine dringende Notwendigkeit. Denn abgesehen von der rechten Gewalt, die viele Menschen in den Neunzigern erfahren mussten, ist fast nichts über das Leben der ehemaligen Vertragsarbeiter nach der Wende bekannt. Diese Perspektiven dürfen nicht ausgeklammert werden. Anderenfalls haben wir eine verzerrte und unvollständige Geschichte des Ostens. Mit einer unvollständigen Geschichte des Ostens hätten wir eine unvollständige Geschichte Deutschlands. Wie können wir aus der Vergangenheit unseres Landes lernen, Wunden und Brüche überwinden, wenn die Geschichte bis heute Lücken aufweist? Es braucht also noch mehr Erzählungen dieser Art, sodass wir einander besser verstehen, Gemeinsamkeiten aufweisen und Utopien aufzeigen können.
Als Journalist und Podcaster bist du das Sprechen vor dem Mikrofon ja gewohnt. Wie war die Erfahrung im Hörbuchstudio für dich?
Don Pablo Mulemba: Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich ausgerechnet aufgrund meiner bisherigen Berufserfahrung glaubte zu wissen, was im Hörbuchstudio auf mich zu käme. Allerdings wurde ich eines Besseren belehrt: die Aufnahme des Hörbuchs war unerwartet anstrengend. Ein Handwerk für sich, was unfassbar viel Konzentration erfordert – vor allem wenn einem eine erfahrene und ausgezeichnete Hörbuchregisseurin wie Vera Teichmann gegenübersitzt und den Maßstab setzt. Deshalb möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, um all den Sprechern und Sprecherinnen meinen allergrößten Respekt zu zollen. Die Aufnahmen haben mir zwar unfassbar viel abverlangt, doch ich habe in dieser Zusammenarbeit wahnsinnig viel lernen dürfen und eine Menge Spaß gehabt. Ich hoffe, das war nicht mein letzter Auftrag zum Einsprechen eines Hörbuchs.
Im Text verarbeitest du die unterschiedlichen Dialekte und Sprachen deiner Familie – von Mutters Berliner Schnauze über das von Brüchen geprägte Deutsch deines Vaters bis hin zu Ngangela in Moxico. Wie hast du versucht, diese verschiedenen sprachlichen Identitäten hörbar zu machen?
Don Pablo Mulemba: Tatsächlich kann ich diese Frage leider gar nicht anders beantworten, als dass ich lediglich versucht habe, all diesen sprachlichen Identitäten mit einer gewissen Authentizität gerecht werden. Ob mir das nun wirklich in allen Fällen immer gelungen ist, bezweifle ich. Ich werde es jedoch noch früh genug erfahren – spätestens sobald ich die ersten Beschwerden aus meinem engeren Familien- und Freundeskreis erhalte.
Wenn du im Studio sitzt und dein Hörbuch einsprichst: Wen hast du da vor Augen? Für wen hast du diese Geschichte in erster Linie laut hörbar gemacht?
Don Pablo Mulemba: Für Menschen wie mich, für diejenigen, die von den Eltern keinen Zugang zur Literatur mitgegeben bekommen haben. Für junge Männer, in deren Umfeld es eben nicht angesehen oder cool, sondern uncool ist, mit einem Buch im Bus oder auf dem Schulhof zu sitzen. Für alle Menschen, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben und denen es leichter fällt, jemandes Geschichte zu hören, statt sie selbst zu lesen. Ich denke, eine solche Geschichte ist durch das Hören nochmal eine ganz eigene besondere Erfahrung.
Am Ende des Hörbuchs schließt du Frieden mit Cottbus und nimmst gleichzeitig Angola als deine Heimat an. Wenn dich heute jemand fragt: »Wo bist du zu Hause?«, was antwortest du?
Don Pablo Mulemba: »In Berlin. In Brandenburg. In Angola. Da wo meine Familie und meine Freunde sind. Da wo unsere Geschichten stattgefunden haben und noch stattfinden werden.« So lautet meine Antwort in Interviews. Nicht nur weil ich tatsächlich so empfinde, sondern auch weil es so toll bedeutungsschwanger klingt. Wenn mich jemand auf der Straße fragt, sage ich meist nur »Neukölln«.
Danke für das Gespräch!
- Verlag: argon digital
- Erscheinungstermin: 14.08.2026
- ISBN: 978-3-7324-8966-4
- Sprecher:innen: Don Pablo Mulemba
