nachgefragt bei Helene Bracht, der Autorin von »Irma tanzt«
Am 18.08.2026 erscheint »Irma tanzt« – eine berührende, sehr persönliche Geschichte von Helene Bracht über ihre Mutter. Aus diesem Anlass haben wir der Autorin, die das Hörbuch selbst eingelesen hat, ein paar Fragen gestellt.
Liebe Frau Bracht, Ihr neues Hörbuch »Irma tanzt« haben Sie selbst eingelesen. Wie war es für Sie, sich mit so einem persönlichen Text im Studio auseinanderzusetzen?
Es war nicht weniger als ein großes Abenteuer. Ohne die erfahrene Regie, die mir dankenswerterweise zur Seite stand, wäre ich wirklich verloren gewesen. Da hätte mir auch meine frühe Schauspielausbildung und Sprecherziehung nichts genutzt. So ein Hörbuch ist eine ganz eigene Kunstform, seine Erstellung folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten. Das »Aussprechen« von Gedanken und Erinnerungen ist in der Gestaltung des gesprochenen Wortes etwas völlig anderes als in der schriftlich-literarischen. So kam es, dass mir mein Buch in diesen Tagen im Tonstudio gleichzeitig fremder und noch vertrauter wurde. Es war ein aufregender Tauchgang in meinen eigenen Text hinein, ich habe ihn auf diese Weise gleichsam noch einmal neu kennengelernt. – Natürlich kam ich auch hier und da an Stellen vorbei, bei denen ich stirnrunzelnd dachte, ich hätte ihnen beim Schreiben doch noch mehr Sorgfalt angedeihen lassen sollen. Und kaum hatte ich ein Kapitel eingesprochen, kamen mir schon Zweifel, ob es nicht noch eine bessere Gestaltungsmöglichkeit gegeben hätte…
Als Psychologin sind Sie es gewohnt, Biografien zu analysieren und Muster zu erkennen. Als Autorin müssen Sie diese Muster jedoch in lebendige Figuren übersetzen. Inwiefern hilft Ihnen Ihr psychologisches Fachwissen beim Schreiben – oder gab es vielleicht Momente, in denen es dem literarischen Fluss im Weg stand?
Ich glaube, mein psychologisches Fachwissen hilft mir ebenso wie meine – mittlerweile ja durchaus ansehnliche – Lebenserfahrung. Beides sind Ressourcen, die aus dem Hintergrund heraus mein Schreiben begleiten. Meine eigentliche Lust aber liegt darin, eine Sprache zu finden, die elastisch ist, Resonanz erzeugt und Fantasieräume öffnet. Eine solche Sprache ist weit entfernt von einer Fachsprache, die immer möglichst feststellend und präzise zu sein hat. Vielleicht sogar noch viel weiter, als ich es bislang hinbekomme. Ich empfinde mich da noch sehr als Suchende.
Der Titel Ihres Hörbuchs lautet »Irma tanzt«. Der eigentliche Tanz findet jedoch erst ganz am Ende des Lebens der Mutter statt – als spätes Aufbegehren gegen ein Leben voller Pflichten. Warum haben Sie gerade das Motiv des Tanzes als finalen Ausdruck für Irmas Stärke gewählt?
Weil in dem Tanz all ihre Sehnsucht nach Sinnlichkeit, nach Freiheit und Selbstausdruck in Erscheinung trat. Und auch ihr verborgenes Talent, ihr Potenzial – im Sinne des Vermögens, das sie ein Leben lang in sich trug. Ich wollte ihr schreibend diesen Tanz in den Tod mitgeben – das wusste ich von Anfang an.
Die Ich-Erzählerin Lene erkennt irgendwann, dass ihre Theaterkarriere in Berlin unbewusst der Versuch ist, das ungelebte Leben ihrer Mutter stellvertretend einzulösen. War die kreative Arbeit am Theater für sie letztlich ein Akt der Befreiung oder führte sie die transgenerationale Verstrickung nur weiter fort?
Nun, beides natürlich. Es war eine unglaublich wichtige und erfüllende Phase in meinem Leben. Eine, von deren Erfahrungsreichtum ich bis heute zehre, und die ich niemals missen möchte. Und die andererseits auch aus gutem Grund enden musste. Die Neigung zum künstlerischen Ausdruck ist mir ja offenbar über die Jahre hinweg geblieben!
Wenn Sie Irma in drei Worten beschreiben müssten: Welche wären das?
Eigenwillig, weitherzig und grenzenlos lebenshungrig.
Vielen lieben Dank für das Gespräch!
Kuratiert von der argon-Presseabteilung.
- Verlag: argon digital
- Erscheinungstermin: 18.08.2026
- ISBN: 978-3-7324-9088-2
- Sprecher:innen: Helene Bracht
