Aus dem Verlag

nachgefragt bei Herrn Reff, dem Autor von »Der Stärkere hört zu«

Herr Reff unterrichtet als Ethiklehrer in einem Berliner Brennpunktbezirk. Weil er Armut und Gewalt selbst durchlebt hat, begegnet er Jugendlichen heute auf echter Augenhöhe. In seinem ersten Hörbuch »Der Stärkere hört zu«, das er selbst eingelesen hat, plädiert er mit viel Herz und Empathie für mehr Respekt – im Klassenzimmer wie in der gesamten Gesellschaft. Im Kurzinterview spricht er über die Kernbotschaften seines Hörbuches und den persönlichen Weg dahin.

nachgefragt bei Herrn Reff, dem Autor von »Der Stärkere hört zu«

Wer bist du und was hast du geschrieben?

Herr Reff: Ich bin Herr Reff. Ich habe das Buch geschrieben – »Der Stärkere hört zu«. Es geht um Schule, aber nicht nur, sondern um Gesellschaft an sich. Es geht darum, wie wir miteinander umgehen, am besten respektvoll… Vielleicht kann sich jeder mal ein bisschen was da rausholen und versuchen, stärker zu werden im Sinne des Zuhörens, auch für andere da sein.

In dem Hörbuch geht es um den respektvollen Umgang mit den Schüler:innen. Wie lebt man Respekt im Schulalltag?

Herr Reff: Indem man für die anderen einsteht, indem man füreinander da ist. Ganz, ganz wichtig ist da, was im Buch der Titel beschreibt: das Zuhören. So beginnt Demokratie, wenn wir den anderen zuhören. Nur dann kann ich auch sehen und begreifen, wo das Problem ist. Und vielleicht kann ich dann ansetzen und helfen. Nicht gleich mit irgendwelchen Ratschlägen kommen, sondern dem anderen auch die Bühne geben. Das ist sehr entscheidend.

Was bedeutet es Lehrer zu sein und wie bleibst du deinen Schüler:innen im Gedächtnis?

Herr Reff: Für mich ist das Lehrersein kein Beruf, sondern eine Berufung. Ich habe mich wirklich darin gefunden. In Erinnerung möchte ich gerne den Kindern bleiben, dass ich jemand war, der ihnen zugehört hat und für sie da war und sie nie im Stich gelassen hat. Auch wenn es mal eine schlechte Note gibt, dass sie verstehen warum, damit sie lernen für die Zukunft. Man bekommt nichts geschenkt in dieser Welt und man muss auch selbst etwas tun.

Was bedeutet für dich Solidarität und in welchen Situationen?

Herr Reff: Solidarität ist für die anderen einstehen, ohne jemandem zu schaden oder auch sich selbst. Dass man das gibt, was man ist, was man hat. Dass man die anderen mitentscheiden lässt. Das ist so ein großer Aspekt! Das ist einfach unglaublich groß und ich würde es gerne in einer Stunde lang besprechen, aber das schaffe ich nicht.

Welchen Ratschlag würdest du angehenden Lehrkräften mit auf den Weg geben?

Herr Reff: Drück doch mal ein Auge zu. Es geht darum, dass die Kids sich gerade in einer Entwicklungsphase befinden. Und meine Erfahrung ist, dass man an der Uni gesagt bekommen hat: ihr seid Lehrstoffvermittler und mehr nicht. Aber da steckt so viel mehr… Da stecken so viele Schicksale drin und jedes Kind hat vielleicht irgendetwas von zu Hause, das es mit in die Schule bringt und vielleicht ist es nicht ganz so positiv. Dass man auch hinsieht und dann auch zuhört.

Und wie ist es jetzt für dich hier, dein eigenes Buch als Hörbuch einzulesen?

Herr Reff: Ich bin unglaublich aufgeregt, wirklich. Das wirkt dann wahrscheinlich so professionell, obwohl ich mich wirklich oft versprochen habe. Ich hatte früher eine heftige Lese-Rechtschreib-Schwäche und ich habe es mir nie zugetraut, laut vorzulesen. Wenn in der Schule der Lehrer irgendjemanden rannehmen wollte und dann ging man so reihum und ich musste mal lesen… Ich konnte nicht, ich habe gestottert, ich bin immer in Panik geraten. Und jetzt hier vor Menschen zu sitzen und wirklich ein 260-Seiten-Buch laut vorzulesen… Man kann es schaffen. Ich habe es geschafft, also schaffst du es auch.

Danke für das Gespräch!

Kuratiert von der argon-Presseabteilung.