nachgefragt bei Wolfgang Wagner, dem Sprecher der Italien-Krimireihe von T. A. Williams
Gerade ist bei uns der Auftakt der Bestseller-Reihe »Armstrong und Oscar ermitteln« von T.A. Williams erschienen: eine unwiderstehliche Synthese aus britischem Cosy Crime und italienischer Lebensfreude, kombiniert mit dem Ermittlerduo Armstrong (britischer Kriminalkommissar außer Dienst) und Oscar (liebenswürdiger Labrador mit untrüglichem Instinkt). Gelesen wird die vorerst exklusiv als Hörbuch auf dem deutschen Markt erhältliche Reihe von Wolfgang Wagner, der mit seiner tiefen, sonoren Stimme jedem Verdächtigen einen eigenen Charakter verleiht. Auch er hat einen besonderen Bezug zu Italien, von dem er uns in einem Kurzinterview erzählt hat.
Lieber Herr Wagner, was ist Ihre Lieblingsregion in Italien?
Lieblingsregionen in Italien gibts für mich einige… Wann und wo immer ich bisher in Italien war – Italien war und ist immer gut zu mir und für mich:
… da war die erste Reise nach Italien vor dem Abitur Anfang der 80er, von Oldenburg per Anhalter über München und Florenz nach Piombino und von dort rüber nach Elba; nach 2 Tagen war unser Geld alle und wir arbeiteten – als gli tedeschi – in der Pension von Luigi und seiner Frau Signora Raphaella bei Portoferraio vormittags auf dem Feld und abends in der Küche und konnten so 4 Wochen auf dieser wundervollen Insel verbringen …
… später dann, nach der Schauspielschule und schon mittendrin im Beruf gab's Tournee-Gastspiele in Tirol: Meran und Bozen… uns Schauspielern und Schauspielerinnen hat unser Moliére großen Spaß gemacht – auch und vor allem weil das ortsansässige Publikum mindestens genauso viel Spaß in unseren Vorstellungen hatte …
… oder: die große Hochzeitsfeier eines befreundeten Kollegen in einem ehemaligen Kloster aus dem 14. Jahrhundert bei Siena in der Toskana – inklusive des beim Ringtausch schon leicht angesäuselten Pfarrers … ein rauschendes Fest!
… vor einigen Jahren dann: Sylvester auf Sizilien, Höhepunkt: das Neujahrskonzert im Teatro Massimo Bellini in Catania nach einem bombastischen Feuerwerk zum Jahreswechsel im Hafen dieser faszinierenden Stadt im Schatten des Ätna – die Gastfreundschaft unserer Pensions-Eltern: legendär! Und vor allem: der erste gemeinsame Sommer mit meiner Frau (damals waren wir ganz frisch verknallt …). Anfang der 90er Jahre irgendwo in den Bergen zwischen Lago di Ledro und Lago di Garda …
Wann und wo immer ich bisher in Italien war – Italien war und ist immer gut zu mir und für mich.
… und wenn ich dann heute im Studio sitze, vorm Mikrofon, draußen klirrt der Berliner Winter 2025/26 bei minus 15 Grad grimmig mit den Eiszapfen in seinem Bart und im ganzen Haus ist die Heizung ausgefallen und ich erzähle und lese vor, wie Dan Armstrong und sein neuer Freund Labrador Oscar noch mal einen kurzen Gang ums Haus machen durch die toskanische Sommernacht voller Grillenzirpen und Blütenduft, bevor die nächste Mordermittlung ruft – dann denke ich an meine »italienischen Momente« und vielleicht überträgt sich dieses »mediterrane Gefühl« sogar auf die Zuhörerinnen und Zuhörer.
Und außerdem: Um es leicht abgewandelt mit Loriot zu sagen: Ein Leben ohne Pasta ist möglich, aber sinnlos!!!
Was sind Ihre Lieblingstiere, Hunde Katzen oder doch Vögel?
Dan Armstrong trifft eher zufällig auf seinen neuen Kumpel, den Labrador Oscar – zu berichten, wie genau das geschieht, hieße aber, den ersten Band der Krimi-Reihe um die beiden zu spoilern. Ich weiß allerdings auch, wie es ist, wenn aus heiterem Himmel plötzlich ein vierbeiniges Lebewesen auftaucht und fortan den eigenen Alltag bereichert: Anfang der 1990er Jahre war ich im Sommer für ein Gastspiel am »Fränkischen Theater Schloss Maßbach« in Unterfranken engagiert. Alle Schauspieler und Schauspielerinnen wohnen und arbeiten dort gemeinsam – und irgendjemand im Dorf unterhalb des Schalksbergs, auf dem das ehemalige Jagdschlösschen thront, musste sich gedacht haben: die Gaukler dort oben haben sicherlich Zeit, Muße, Tierliebe genug und Verwendung dafür und stellte uns eines nachts einen frischen Wurf kleiner getigerter Katzen vor die Tür … und eine davon krabbelte morgens dann maunzend direkt aus dem Korb auf uns zu; ziemlich schwach schon hatte sie sich uns als »Katzen-Eltern« ausgesucht. So begann eine große Freundschaft über viele Jahre – und wenn ich heute die Geschichten von Dan und Oscar vorlese, die sich ja auch eher aus Zufall finden, denke ich immer wieder an die kleine, große, getigerte Lilly, die unser Leben so lange so sehr bereichert hat …
Welcher Ermittler-Typ wären Sie? Eher intuitiv oder faktenbasiert?
Ich liebe es Krimis vorzulesen, aber auch privat bin ich leidenschaftlicher »Kriminalist«, denn jede Krimigeschichte ist ja bestenfalls beides: literarischer Genuss und Rätsel, und damit doppelt unterhaltsam. Die Mordfälle, mit denen der ehemalige Chief Inspector Dan Armstrong konfrontiert wird, sind klassische »Whodunit«-Stories; es geht immer um die Frage »Wer war's und Wie war's« und die beantwortet Dan auf ruhige und analytische Weise. Er hinterfragt gewissenhaft immer wieder die bisherigen Ermittlungsergebnisse und diskutiert sie mit dem italienischen Commisario Virgilio Pisano. Allerdings hat ihn seine jahrelange Arbeit und Erfahrung als Inspector bei Scotland Yard auch gelehrt, dass es in jeder Ermittlung einen Moment gibt, an dem man sich auf sein Gefühl und seine Menschenkenntnis verlassen sollte, auch wenn man als Konsequenz die ganze Angelegenheit aus völlig anderer, neuer Perspektive betrachten muss. Wenn ich mich dann als Vorleser in die Figur Dan Armstrong hineinversetze – ich würde es sicher genauso halten. Zumal ich dann ja immer auch auf Oscars spezielle Menschenkenntnis vertrauen könnte. Oder wäre es möglich, dass auch der Labrador mal falsch liegt? Es bleibt spannend …
Vielen Dank, lieber Herr Wagner!