Deutscher Hörbuchpreis für Martina Gedeck und Edgar Selge

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Am 15.3. wurden die Gewinner des Deutschen Hörbuchpreises 2022 bekannt gegeben: Martina Gedeck erhält die Auszeichnung in der Kategorie »Beste Sprecherin« für ihre Interpretation von Nastjas Tränen der Schriftstellerin Natascha Wodin. Edgar Selge wurde als »Bester Interpret« für die Lesung seines autofiktionalen Romans Hast du uns endlich gefunden ausgezeichnet. Wir gratulieren den beiden sowie wie allen weiteren Preisträger:innen von Herzen! Besonders freuen wir uns darüber, dass wir als Verlag zum ersten Mal in der Geschichte des Hörbuchpreises die Preisträger von gleich zwei Königsdisziplinen stellen.

Die Jurybegründung: Martina Gedeck

»Martina Gedeck beginnt mit dem ersten Ton einen intimen Dialog mit uns Hörerinnen und Hörern, in dessen Verlauf sie souverän und mit nahezu greifbarer Präsenz diese Erzählung von Sehnsucht und Verlust perfekt gestaltet. Sie liest ruhig und nüchtern, mitfühlend und warm, und sie arbeitet die Tragik, aber auch die komischen Aspekte heraus, ohne ihnen zu verfallen. Natascha Wodins klare Sprache und das stimmliche Können der Charakter-Darstellerin Martina Gedeck machen die Lesung zu einem Hörbuch-Ereignis: Stellenweise absurd, traurig und von fesselnder Poesie.«

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Natascha Wodin Nastjas Tränen gelesen von Martina Gedeck

Als Natascha Wodin 1992 nach Berlin kommt, sucht sie jemanden, der ihr beim Putzen hilft. Sie stellt Nastja ein, die wie Wodins Eltern aus der Ukraine stammt. Die studierte Tiefbauingenieurin konnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im wirtschaftlichen Chaos ihrer Heimat nicht mehr überleben. Also stieg sie in einen Zug nach Berlin. Doch kaum ist ihr Visum dort abgelaufen, schlittert sie in das Leben einer Illegalen.
Für Natascha Wodin ist es, als würde sie von ihrem eigenen Schicksal eingeholt. Im Heimweh dieser Ukrainerin, mit der sie immer mehr eine Freundschaft verbindet, erkennt sie das Heimweh ihrer Mutter wieder, die daran zerbrochen ist. Jetzt, Jahre später, zeichnet sie mit verhaltener, anrührender Poesie das Porträt von Nastja, einer kämpferischen zarten Frau.

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Die Jurybegründung: Edgar Selge

»Einen eigenen Text zu lesen, ist für jeden Schauspieler eine besondere Herausforderung. Ist der Text autofiktional wie Edgar Selges Roman „Hast Du uns endlich gefunden“, dann ist der Schwierigkeitsgrad noch höher. Wie groß muss einerseits die Versuchung sein, die Authentizität des Textes mit seiner Stimme zu beglaubigen, und wie groß andererseits die Verführung, die eigene Virtuosität vor den Text zu schieben. Weil Edgar Selge aber nicht nur ein feinfühliger Schauspieler ist, der um die Wirkungsmechanismen seiner Kunst weiß, sondern auch ein Autor, der im Erzählen seiner Lebensgeschichte das labile Gleichgewicht zwischen dem Von-sich-ab- und Auf-sich-Hinsehen auszutarieren in der Lage ist, gelingt ihm die Gratwanderung zwischen Identität und Rolle auf bravouröse Art und Weise.«

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Edgar Selge Hast du uns endlich gefunden gelesen von Edgar Selge

Eine Kindheit in den Fünfzigern, in einer Stadt, nicht groß, nicht klein; ein bürgerlicher Haushalt, in dem viel Musik gemacht wird; der Vater ist Gefängnisdirektor. Der Krieg ist noch nicht lange her, und die Eltern versuchen, durch Hingabe an klassische Musik und Literatur nachzuholen, was sie ihre verlorenen Jahre nennen. Überall spürt der Junge Risse in dieser geordneten Welt. Gebannt verfolgt er die politischen Auseinandersetzungen, die seine älteren Brüder mit Vater und Mutter am Esstisch führen. Aber er bleibt Zuschauer. Immer häufiger flüchtet er sich in die Welt der Phantasie.
Dieser Junge, den der Autor als fernen Bruder seiner selbst betrachtet, erzählt uns sein Leben und entdeckt dabei den eigenen Blick auf die Welt. Wenn sich der 73-jährige Edgar Selge gelegentlich selbst einschaltet, wird klar: Die Schatten der Kriegsgeneration reichen bis in die Gegenwart hinein.

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Weitere Auszeichnungen

Unter den Nominierten waren außerdem die Sprecherin Milena Karas für unser Hörbuch Wo der Wolf lauert von Ayelet Gundar-Goshen und Hanno Kofflers Lesung von Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt) für das »Beste Kinderhörbuch«. Alle  Preisträger:innen und Nominierte in den Kategorien »Beste Unterhaltung«, »Bestes Kinderhörbuch« und »Besonderes Hörbuch« finden sich auf der Webseite des Deutschen Hörbuchpreises.