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hingehört! Hermann-Josef Tenhagen über »Finanzen ab 50«

Die Kinder sind aus dem Haus, das eigene Heim ist fast abbezahlt und die Rente rückt langsam in Sichtweite? Dann beginnt genau jetzt die wichtigste Phase für deine finanzielle Zukunft. In diesem Video (bzw. Hörbuch) zeigt dir Deutschlands bekanntester Verbraucherjournalist und »Finanztip«-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen, wie du die zweite Halbzeit deines Finanzlebens gewinnst – ganz ohne teure Bankberater, dafür mit dem unabhängigen Expertenwissen von Finanztip.

argon: Hallo Hermann, was machst du hier?

Hermann-Josef Tenhagen: Ich lese hier seit drei Tagen tatsächlich mein eigenes Buch ein, also das Buch, was ich geschrieben habe: Finanzen ab 50: Es ist nicht zu spät. Und beim Lesen passiert eben Folgendes, was beim Lesen immer so passiert: Man merkt, oh, da hätte noch ein Komma hingehört, oder es wäre schöner, wenn das zwei Sätze wären; oh, das hast du sehr schön verständlich erzählt; oh, hier könntest du noch mal den Begriff nochmal benutzen, damit es noch einfacher zu verstehen ist. Und all das passiert und es macht Spaß, sowas zu machen. Ich mach's auch das erste Mal, und dann merke ich auch, sogar die Stimme hält, also wenn man so 50 oder 100 Seiten am Tag liest.

argon: Warum ist es mit 50 noch lange nicht zu spät, die eigenen Finanzen in den Griff zu bekommen?

Hermann-Josef Tenhagen: Tatsächlich ist es mit 50 noch lange nicht zu spät, weil man nie wieder so eine Gelegenheit hat wie zwischen 50 und, sagen wir mal, 65 oder 67. Weil normalerweise ist es so, in dem Alter ist man auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Karriere, man hat mehr Geld als Einkommen. Dann ist es auch so, die Kinder sind womöglich schon aus dem Haus, die kosten kein Geld mehr. Wenn man eine Immobilie gekauft hat, dann ist sie womöglich bald abbezahlt, auch da sind die finanziellen Spielräume größer geworden. Und wenn man zur Miete wohnt, hat man vielleicht einen langfristigen Mietvertrag – viele von uns in dem Alter haben den – und da ist die Miete nicht so hoch, aber das Einkommen ist in den letzten Jahren ja doch gestiegen, sodass auch da die Spielräume größer sind.

Also für die Zeit ist das super. Dann ist es – in dem Buch geht's natürlich auch um die Leute, die direkt vor der Rente stehen, da hineingehen. Da gibt's wahnsinnig viel Gestaltungsspielräume inzwischen. Verdanken wir ein Stück weit auch Corona. Wir können heute arbeiten und Rente beziehen, wir können früher in Rente gehen oder ein bisschen später in Rente gehen, wir können das alles koppeln, wir können wahnsinnig viele Dinge tun, die wir früher nicht konnten. Und dafür ist es nicht zu spät, das für sich selbst so zu gestalten, wie das optimal hinkommt.

Und wenn man dann mal im Ruhestand ist, ist es eben auch so: Also erstens, wir haben dann noch 30 Jahre, 35 Jahre von 65 bis 100. Meine Eltern sind 95, Helmut Schmidt ist sogar als Raucher 96 geworden. Also es ist echt viel Zeit, und das heißt, man kann bei der Geldanlage noch ganz viele Dinge tun und dafür sorgen, dass man ein Leben lang genug Geld in der Tasche hat. Man kann aber auch diese anderen Dinge alle regeln. Man kann sich drum kümmern, wie das mit dem Vererben, mit dem Weitergeben von Vermögen ist, wie das mit dem Helfen für Kinder und Enkel ist. Man kann sich auch drum kümmern, wie es mit der eigenen Pflege, wie man das denn gerne organisiert haben möchte. Denn Pflege, das ist ja kein Unfall. Wir müssen uns darüber klar werden: Also die Hälfte aller 85-Jährigen – das weiß ich so als Redakteur – haben einen Pflegegrad. Das heißt, wahrscheinlich ereilt es uns alle, und von daher sollten wir alle uns eine Überlegung machen: Wie möchte ich das denn für mich gestaltet haben, wenn ich mal so alt bin? Und auch darum können wir uns jetzt kümmern. Es ist nicht zu spät, sich darum zu kümmern.

argon: Welche Potenziale entwickeln sich in Sachen Finanzen jenseits der 50?

Hermann-Josef Tenhagen: Also die Potenziale, die sich entwickeln, sind einmal die finanziellen Potenziale, weil man zwischen 50 und 65 oder 67 tatsächlich noch mal ein extra finanzielles Potenzial hat. Aber vor allen Dingen ist es auch das Potenzial Zeit, weil ich habe jetzt mehr Zeit, mich um die Details zu kümmern und mich nicht mehr von irgendeinem Finanzdienstleister an der Nase herumführen zu lassen, weil ich mich tatsächlich mal drum kümmern kann und auch zweimal intervenieren kann, bis die Rechnung dann in der Form stimmt, wie ich sie haben will. Das habe ich früher im Alltagsleben – winkt man vieles durch, weil man sagt: „Okay, ich hab da keine Zeit für jetzt.“ Das muss alles nicht mehr sein, da sind wahnsinnige Potenziale.

Und natürlich auch Erfahrungswerte da. Bei Finanztip wissen wir das, also die ganz jungen Leute sind manchmal beim Kapitalmarkt besser informiert, aber was die Frage von Abrechnungen angeht, was die Frage von finanzieller Routine angeht, sind die Leute mit 60 und 70 viel routinierter und lassen sich viel schwerer hinters Licht führen.

argon: In deinem Hörbuch geht es unter anderem um die Finanztip-Regel 50-30-20. Worin besteht sie und warum sollte man sie vor allem vor der Rente anwenden?

Hermann-Josef Tenhagen: Also 50-30-20 ist sozusagen ein Hilfsmittel: Wie gehe ich mit meinem Einkommen um?

  • 50 % mindestens habe ich wahrscheinlich einzusetzen für das, was ich dringend brauche, nämlich für die Wohnung, für womöglich das Auto, was ich brauche auf dem Weg zur Arbeit, für Heizung, für Versicherungsrechnungen, die ich nicht vermeiden kann – für all das, was unbedingt in einem Alltag dazugehört, heute auch Internet, Handytarife und so was.
  • 30 % vom Einkommen in einer idealen Welt kann ich für das ausgeben, was mein Vergnügen ist, also für meine Reisen, für den Sportverein, für das Netflix-Abo oder die Zeitschriften-Abos, wenn ich so was schätze, für Hobbys, für die ich gerne Geld ausgebe und dafür, anderen Leuten eine Freude zu machen, weil mir gerade danach ist.
  • Und 20 % vom Einkommen soll man eigentlich einsetzen zum Sparen. Das ist in frühen Jahren vielleicht auch die Rate für die Immobilie. Das ist ganz sicher, wenn ich einen ETF-Sparplan habe, wo ich fürs Alter Geld zurücklege, so was. Es ist ein Tagesgeldkonto, was ich habe, oder eine eiserne Reserve, damit ich nie einen Dispo brauche und nie der Bank 15 % Zinsen für den Dispo geben muss oder Kreditkartenschulden mache und da womöglich 20 % Zinsen bezahle.

So was kann ich alles vermeiden mit so einer Einteilung. Ob das mit 50-30-20 immer genauso funktioniert, ist gar nicht so wichtig. Wichtig ist, so darüber nachzudenken über sein Geld und dann, wenn das Geld zur Verfügung steht, es entsprechend auch einzusetzen.

argon: Wie war es für dich, deinen eigenen Text als Hörbuch einzulesen?

Hermann-Josef Tenhagen: Es hat Spaß gemacht, den eigenen Text als Hörbuch einzulesen, und es war manchmal auch anstrengend, weil du dann merkst: „Oh, jetzt habe ich da einen fünfzeiligen Satz geschrieben, das funktioniert als Hörbuch überhaupt nicht. Ich müsste da im Grunde zwei Sätze draus machen, es wäre viel schöner.“ Der funktioniert zwar beim Lesen ganz gut, der ist auch ordentlich strukturiert, aber Vorlesen ist noch mal was anderes. Das war so das eine.

Und das andere war aber auch: Jedes Mal dann, wenn ich einen Satz gefunden habe oder eine Konstruktion, wo ich denke: „Hm, das ist wirklich gut gelungen“, dann macht das auch Spaß, das motiviert, so was noch mal zu machen, an so einem nächsten Buch zu schreiben womöglich irgendwann. Also von daher toll, und außerdem: Neue Erfahrungen sind immer klasse. Also ich bin ja Journalist geworden, weil ich neugierig bin und weil ich gedacht habe, das sei der Beruf, in dem ich fürs Neugierigsein und für was Neues ausprobieren auch noch bezahlt würde. Gibt's denn was Besseres?

Danke, Hermann!

Hermann-Josef Tenhagen: Bitte!