hingehört! Monchi im Interview zum Hörbuch »Jenseits der Brandmauer«
Das neue Hörbuch von Monchi heißt »Jenseits der Brandmauer« und es erscheint am 13.08.2026. Wir haben den Sänger von Feine Sahne Fischfilet im Studio getroffen, wo er das Hörbuch selbst eingelesen hat, und ihm ein paar Fragen gestellt.
Hallo Monchi, dein zweites Mal im Hörbuchstudio. Anders als beim ersten Mal?
Monchi: Klar, das erste Mal ist immer das erste Mal, aber das, was anders ist, ist auf jeden Fall, dass ich jetzt ein Gefühl dafür habe, dass es geil ist, ein Hörbuch eingelesen zu haben. Nach meinem ersten Buch kamen ganz viele Leute auf mich zu und haben gesagt: »Ey, wir haben das Buch gelesen und dann noch das Hörbuch gehört, und das hat uns dann noch mal ganz anders berührt.« Und ich glaube, dass das auch so eine Stärke von so einem Hörbuch ist. Das ist, glaube ich, mir auch deswegen einfach wichtig gewesen, dass es nicht irgendein Fremder einliest, sondern ich. Gab Momente für mich, als ich es eingelesen habe hier, wo ich, ja, gelacht habe oder wo ich auch vielleicht kurz vorm Weinen war, ne? Sehr emotional. Und das ist, glaube ich, nachher schlussendlich auch die Stärke von so einem Hörbuch. Und da freue ich mich, dass ich das wieder gemacht habe.
Was erwartet uns in deinem zweiten Hörbuch?
Monchi: Ja, es ist wieder ein sehr persönliches Buch. Ich habe einfach pur aufgeschrieben, was ich so denke, was ich so fühle. Ich wohne in einem Ort, wo 54 % der Leute die AfD gewählt haben. Und vor allen Dingen lebe ich in einer Zeit, wo ich, wenn ich jetzt zum Beispiel auf den Bildschirm gucke, aufs Handy oder so, wo mich irgendwie politisch nahezu nichts mehr abholt oder ich auch irgendwie denke, da haben ganz wenig Leute irgendwie Antworten und hat für mich nicht mit der Realität zu tun, in der ich lebe. Und das habe ich versucht aufzuschreiben, so Widersprüche, Fragen, Diskussionen, die ich so selber mit mir habe, die ich mit Freunden habe. Wie man in diesen Zeiten noch so, ja, positive Momente sich schaffen kann und selber auch irgendwie nicht in so eine Weltuntergangsstimmung kommt, wenn alle irgendwie nur mehr davon reden oder so das Gefühl vermitteln wie: »Gott, die Welt geht gleich unter, die Welt geht gleich unter.« Und das, glaube ich, erzeugt nachher nur Kopf-Fick. Natürlich gibt es solche bitteren Momente, aber für mich war es wichtig, auch immer wieder positive Momente in dem Buch zu formulieren. Und so habe ich das einfach runtergeschrieben. Nachdem wir in der Band viel diskutiert haben und gesagt haben: »Ey, was kann man denn machen?«, und ich gesagt habe, ich glaube einfach an ganz viele Parolen nicht mehr, an die ich vielleicht vor zehn Jahren noch geglaubt habe und authentisch auf der Bühne verkaufen konnte, und das heute nicht mehr der Fall ist. Und für mich die Welt da an vielen Punkten nicht mehr so schwarz-weiß ist, so. Und es mir wichtig ist, mir wichtig war, das irgendwie auch so runterzuschreiben. Mit all diesen Widersprüchen, vielleicht auch Ängsten und mit all den tollen Momenten.
Gab es einen Auslöser für dich, dieses Buch zu schreiben?
Monchi: Ich habe eine gute Gage bekommen! (lacht) Und… ja doch auch, okay! (lacht) Nein, aber es war diese Diskussion in der Band, dass wir darüber diskutiert haben: What’s next? Nächstes Jahr sind Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, und das ist ganz klar: Die AfD wird hier stärkste Partei beziehungsweise die anderen Parteien haben dem gar nicht mehr viel entgegenzusetzen. Und wenn man so Diskussionen verfolgt, hat man ganz, habe ich ganz selten das Gefühl gehabt, dass die mich irgendwie noch abholen oder irgendwie auch wirklich Antworten für die Leute geben, die in so Dörfern und in den Provinzen leben. Und also auch so ein bisschen für mich selber, weil ich dann… natürlich gibt es auch mal dunkle Tage, natürlich gibt es auch mal Momente, wo man denkt: »Boah, gar keinen Bock mehr.« Aber ich habe keinen Bock in, ja, diese Untergangsstimmung die ganze Zeit einzustimmen und habe das einfach so ein bisschen vielleicht auch wie so eigene, wie so Medizin für einen selbst einfach so aufgeschrieben. So ist es eigentlich seit dem ersten Buch für mich, dass ich immer wieder auch wie so ein bisschen Tagebuch führe. Und das ist jetzt etwas, wo ihr ein bisschen was zu lesen bekommt aus meinem Tagebuch, sozusagen.
Und wie bei »Niemals satt« kann ich dich wieder fragen: Hast du dir das gut überlegt, so viel von dir preiszugeben?
Monchi: Ja, das ist schon natürlich ein Hin und Her. Und ich habe natürlich in meinem Leben gelernt, dass, wenn man auch viel von sich preisgibt so und reingibt, dass Leute das auch immer versuchen werden, negativ gegen einen umzumünzen. Aber ich denke, dass das auch schlussendlich das ist, was es ausmacht. Dass dieses Was-reingeben, dass dieses Persönliche ist, dass dieses Nicht-»Oh Gott, ich habe die Antwort auf alle Fragen und so und so wird’s auf jeden Fall alles besser«. Das ist… ich einfach selten fühle und dass da irgendwie viele Zwischenstufen gibt, die man so mit sich selber verhandelt. Und das natürlich, gibt man da was rein, macht sich angreifbar, aber ich glaube dieses Ganz oder Gar Nicht, das ist einfach das, was es auch beim ersten Buch ausgemacht hat. Und vor allen Dingen: Ich lese so viel Zeug, was mich überhaupt nicht abholt. Was mich abholt, ist, wenn Leute was von sich reingeben, Schwächen, Stärken, wenn Leute ja auf einmal so Gedanken auch mal preisgeben, die vielleicht andere Leute nicht haben oder sich nicht trauen zu sagen, so. Und ich denke, dass das in Teilen bei »Jenseits der Brandmauer« der Fall ist. Es werden Leute scheiße finden, es werden Leute gut finden. Ich glaube, vielen Linken wird’s dann irgendwie zu unlinks sein, aber ganz vielen Leuten bei mir in der Region (lacht), da wird das viel zu links sein. Das ist irgendwie sehr Wahnsinn, in dem ich mich bewege, so. Und schön wär’s natürlich, wenn es irgendwie auch andere Leute abholt und die sagen: »Ja, okay, diese Kämpfe, die kennen die Leute auch«, weil für mich ist ja auch so diese Ambivalenz ist… Ich sitze jetzt hier gerade in Berlin, ich bin hier ein, zwei Tage, aber ich finde es auch echt völlig okay, wieder wegzufahren. Und jeder kann leben, wo er will, aber ich lebe ja wirklich sehr, sehr, sehr, sehr gerne da, wo ich lebe, ja? Ich bin einfach Lokalpatriot, so. Und ich liebe es da, ich mag auch die Leute. Und natürlich ist es… das ist natürlich so ein Konflikt, den man manchmal hat, weil man natürlich auch manchmal denkt: »Ey, warum… du bist doch eigentlich so ein geiler Mensch und warum tickst du so und so?« Aber das fragen die sich natürlich bei mir auch. Und da jetzt irgendwie so viel reinzugeben… Ich lebe da an dem Ort, ich bin kein Typ, kein Journalist, der irgendwie nach zwei Tagen weg ist und eine Reportage geschrieben hat, kein Aktivist, der sich da irgendwie die nächste Kampagne suchen wird, sondern ich lebe da. Ich lebe mein ganzes Leben in Mecklenburg-Vorpommern und das hat… wird natürlich auch einen Preis haben, weil es natürlich… das ist kein Buch, was jetzt nur, wo alle Leute sagen werden: »Mensch, ja und amen.« Das ist mir bewusst. Aber ich denke, so rundgelutschten Scheiß gibt’s genug, so.
Ganz ehrlich: Wie kann man es schaffen, trotz allem optimistisch in die Zukunft zu schauen?
Monchi: Ja, ich würde sagen, immer… Das Beste ist auf jeden Fall, auch wenn mir das nicht immer gelingt, ja, aber das Beste ist auf jeden Fall, so wenig Bildschirmzeit wie möglich zu haben, so. Weil wenn ich bei uns aus dem Fenster rausgucke… Ich wohne zwei Minuten von einem wunderschönen See weg. Wenn ich irgendwie mit den Leuten… Wenn ich rausgehe in die Realität, dann ist erst mal schon immer zu 99,9 % immer alles besser als auf dem Handy, auf dem Fernseher, wie auch immer. Und dann sich noch eigene Momente zu schaffen, so eine… wie soll man sagen, so Selbstwirksamkeit, habe ich gelernt, heißt das. Sowas wie: Wir bauen zusammen mit vielen Leuten da im Dorf in der Provinz einen Skatepark oder machen so ein Dorffest zusammen. Das sind Momente, die einem selber dann immer total Kraft geben, mir Kraft geben und wo man dann auch wieder total… ja, wie so eine Krafttankstelle hat. Also mein absoluter Geheimtipp wäre: Raus in die Realität zu gehen und weg vom Handy.
Danke, Monchi.
Monchi: Gerne.
- Verlag: argon digital
- Erscheinungstermin: 13.08.2026
- ISBN: 978-3-7324-9200-8
- Sprecher:innen: Monchi
