hingehört! Sebastian Becker über »Und es wird trotzdem wieder Sommer werden«
Bekannt für seine poetischen Texte und Alltagsbeobachtungen unter dem Pseudonym Tschief, erreicht Sebastian Becker auf Instagram über 100.000 Follower. Am 18. September 2026 erscheint sein erstes Buch »Und es wird trotzdem wieder Sommer werden«, in dem er den Verlust seines Vaters verarbeitet – von ihm persönlich als Hörbuch eingesprochen. Dazu haben wir ihn im Studio interviewt.
argon: In deinem Hörbuch befasst du dich mit der Trauerarbeit nach dem Tod deines Vaters. Was für Erinnerungen haben dir geholfen, die Sprache zurückzugewinnen?
Sebastian Becker: Ich glaube, es war viel auch – das hört sich so komisch an, aber – in meinem Handy einfach die Tage noch mal durchgehen, gucken, was für Fotos habe ich gemacht zu dem Zeitpunkt. Was für Nachrichten habe ich Freunden und Freundinnen geschrieben? Und erst mal einfach quasi die ersten Erinnerungen an meinen Vater, die ich jetzt fürs Buch angefangen habe, waren die, als er schon gestorben war. Und dann von da aus ging es los, dass immer mehr Bilder hochkamen aus meiner Kindheit, aus meiner Jugend und auch, als wir uns irgendwie als – ich dann erwachsen war, noch mal anders und neu kennengelernt haben.
Du hast keine Angst, auf Instagram Gefühle offen zu zeigen. Warum findest du soft sein heutzutage so wichtig?
Sebastian Becker: Ich glaube, weil soft sein erst mal auch eine Art von Haltung sich selbst gegenüber ist und sich selbst gegenüber, ja, also so dumm es klingt, weich zu bleiben und offen zu bleiben für Fehler, für Pausen, die man braucht. Und ich glaube, gerade in so Krisensituationen ist es ganz wichtig, sich selbst gegenüber soft zu bleiben, damit man nicht zerbricht, sondern eben weich sein kann und sich anpassen und nachgeben kann.
Seit einigen Jahren teilst du deine Beobachtungen aus dem Alltag auf Instagram. Wer reagiert darauf und wie würdest du deine Community beschreiben?
Sebastian Becker: Das ist eine sehr liebe Community. Was ein bisschen daran liegt – also mir folgen zu 90 % sind das Frauen und das führt dazu, dass ich eine sehr liebe Community bei Instagram habe, weil Hass im Internet männlich ist. Und die Männer, die sich auf meinen Account verirren, es irgendwie schaffen, einen Zugang zu Gefühlen zu haben, der nicht nur Wut ist.
Wie war es für dich, dich mit so einem persönlichen Text im Hörbuchstudio auseinanderzusetzen?
Sebastian Becker: Intensiv war es. Es hat Spaß gemacht. Irgendwie noch mal so nach der langen Arbeit im Lektorat, wo es immer so Textabschnitte waren, in denen wir waren, jetzt den Text einfach von vorne bis hinten so noch mal wieder durchzugehen. Aber es gab auch Kapitel, für die wir mehrere Anläufe gebraucht haben, weil es eben ein für mich sehr naher Text ist.
An wen ist dein Hörbuch in erster Linie gerichtet?
Sebastian Becker: Ich glaube, als ich geschrieben habe, habe ich das Buch – war das Buch sehr für mich. Und ich habe in den letzten zwei Jahren immer mal Ausschnitte schon davon vorgelesen. Und da ganz breite Rückmeldungen von Menschen aus irgendwie allen Altersgruppen zurückbekommen, die entweder Verlust kennen oder lieben und Angst vor Verlusten haben. Und ich glaube, das trifft auf eigentlich fast alle Menschen zu. Also es ist sehr, sehr offen.
Danke, Sebastian.
- Verlag: argon digital
- Erscheinungstermin: 18.09.2026
- ISBN: 978-3-7324-8983-1
- Sprecher:innen: Sebastian Becker
